Wenn Versorgungssicherheit zum Geschäftsmodell wird

21.10.2026
3 Min.

Die Egli-Mühlen AG in Nebikon ist ein Familienunternehmen mit 135 Jahren Geschichte. Ihr Kerngeschäft ist und bleibt die Produktion von Futtermitteln. Gleichzeitig beschäftigt sich das Unternehmen intensiv mit der Frage, wie die Produktion auch in ausserordentlichen Situationen sichergestellt werden kann. Geschäftsführer Simon Egli zeigte am KMU Fachforum 2026, wie aus dieser Auseinandersetzung ein umfassendes Energiekonzept entstanden ist. Ein zentraler Bestandteil davon ist ein Batteriespeicher mit 10 Megawattstunden Kapazität: Er dient als Notfalllösung und kann gleichzeitig im täglichen Betrieb wirtschaftlich genutzt werden.

 

Simon Egli auf dem KMU Fachforum 2026 (Bild topsoft)

 

Futtermittelproduktion braucht Versorgungssicherheit

Die Egli-Mühlen AG produziert seit 1954 Mischfutter. 41 Mitarbeitende sorgen dafür, dass aus verschiedenen Rohstoffen hochwertige Futtermittel für die Schweizer Landwirtschaft entstehen. Mahlen, Mischen, Hygienisieren und das Pressen von Futterwürfeln benötigen viel Energie – und vor allem eine zuverlässige Stromversorgung.

«Unser Hauptgeschäft ist die Futtermittelproduktion. Damit wir dieses zuverlässig betreiben können, müssen aber auch Energieversorgung und Logistik funktionieren», erklärt Egli.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Bahn. Grosse Mengen an Rohstoffen erreichen die Mühle in Nebikon auf der Schiene. Ihre Bedeutung zeigt sich besonders in angespannten Versorgungssituationen. Bei tiefen Wasserständen auf Rhein und Donau können Rohstofftransporte auf dem Wasser eingeschränkt werden. In der aktuellen Situation mussten deshalb bereits Pflichtlager angezapft werden. Die Egli-Mühlen AG selbst muss vorerst noch nicht auf ihre Pflichtlager zurückgreifen.

Versorgungssicherheit bedeutet für das Unternehmen deshalb nicht nur genügend Strom, sondern auch funktionierende Transportwege und verfügbare Rohstoffe.

Photovoltaik als wichtiger Teil des Energiekonzepts

Bereits 2021 und 2023 investierte die Egli-Mühlen AG stark in Photovoltaik. Auf den Fassaden des Betriebs entstand die grösste Fassaden-Photovoltaikanlagen in der Schweiz. Die Anlage leistet rund 1,45 Megawatt Peak und produziert jährlich eine beträchtliche Menge Strom direkt am Produktionsstandort. 2022 wurde das Projekt mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet.

Die eigene Stromproduktion war ein wichtiger Schritt. Doch mit dem Ausbruch des Ukrainekriegs im Februar 2022 rückte eine andere Frage plötzlich in den Vordergrund: Was geschieht, wenn Strom nicht nur teuer, sondern zeitweise gar nicht verfügbar ist?

Der Ukrainekrieg verändert die Risikobewertung

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde in der Schweiz intensiv über eine mögliche Strommangellage diskutiert. Im Rahmen der OSTRAL-Szenarien standen im äussersten Fall auch zyklische Netzabschaltungen im Raum – beispielsweise vier Stunden mit Strom, gefolgt von vier Stunden ohne Strom.

Für einen Produktionsbetrieb wie die Egli-Mühlen AG wäre ein solches Szenario kaum praktikabel gewesen. Produktionsanlagen lassen sich nicht beliebig im Vier-Stunden-Rhythmus hoch- und wieder herunterfahren.

Deshalb begann das Unternehmen, sich intensiv mit einer eigenen Notfalllösung auseinanderzusetzen. Verschiedene Varianten wurden geprüft. Schliesslich fiel der Entscheid auf einen grossen Batteriespeicher.

10 MWh als energetische Versicherung

2026 ging die Batterie mit einer Leistung von 3,5 Megawatt und einer Speicherkapazität von 10 Megawattstunden in Betrieb.

Bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes kann die Egli-Mühlen AG in den Inselbetrieb wechseln. Die Batterie ermöglicht es, die eigene Stromversorgung aufrechtzuerhalten und die Produktion kontrolliert weiterzuführen. Für länger dauernde Ausfälle wurde das Konzept so ausgelegt, dass zusätzlich ein Generator eingebunden werden kann.

«Wir hoffen natürlich, dass wir die Batterie für diesen Zweck nie brauchen. Aber für uns war entscheidend, für den Ernstfall eine funktionierende Lösung zu haben», sagt Egli.

Eine Notfalllösung, die jeden Tag arbeitet

Eine Batterie dieser Grösse nur für einen möglichen Notfall bereitzuhalten, wäre wirtschaftlich wenig attraktiv. Deshalb war von Anfang an klar, dass der Speicher im normalen Betrieb einen zusätzlichen Nutzen schaffen soll.

Heute wird die Batterie unter anderem für Regelleistung eingesetzt. Im Schweizer Stromnetz müssen Stromproduktion und Stromverbrauch jederzeit im Gleichgewicht sein, damit die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz bleibt. Besteht kurzfristig ein Überschuss, kann die Batterie Energie aufnehmen. Fehlt Energie, kann sie diese innerhalb kürzester Zeit wieder abgeben.

Damit trägt der Speicher zur Stabilisierung des Schweizer Stromnetzes bei und generiert gleichzeitig Erträge für die Egli-Mühlen AG.

Weitere Anwendungen wie Peak Shaving oder die Speicherung von überschüssigem Solarstrom sind ebenfalls möglich. Welche Nutzung am attraktivsten ist, hängt von der jeweiligen Marktsituation ab.

Unter den heutigen Bedingungen erscheint eine Amortisationszeit von rund sechs bis acht Jahren möglich. Egli relativiert diese Zahl jedoch bewusst: In der Schweiz werden derzeit zahlreiche neue Grossbatterien geplant und gebaut. Mit zunehmender Speicherkapazität dürfte der Wettbewerb steigen und die heute attraktiven Ertragsmöglichkeiten könnten zurückgehen.

Der grosse Vorteil des Konzepts bleibt deshalb die Doppelnutzung: Die Batterie kann im normalen Betrieb wirtschaftlich eingesetzt werden und steht gleichzeitig als Absicherung für eine ausserordentliche Situation bereit.

Ein Projekt mit vielen Beteiligten

Die Umsetzung des Batteriespeichers erfolgte gemeinsam mit mehreren Partnern, darunter Amstein + Walthert für das Engineering, Axpo als Lieferant sowie CKW für die Bewirtschaftung.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass Batteriespeicher dieser Grössenordnung in klassischen Industriebetrieben noch vergleichsweise neu sind. Entsprechend fehlten teilweise Erfahrungswerte. Gleichzeitig verteilten sich die verschiedenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf mehrere Beteiligte.

«Für uns wäre es teilweise einfacher gewesen, einen zentralen Ansprechpartner zu haben, der das Gesamtsystem überblickt und die verschiedenen Schnittstellen koordiniert», erklärt Simon Egli.

Gerade diese Erfahrungen waren jedoch wertvoll. Das Projekt hat gezeigt, welche technischen, betrieblichen und organisatorischen Fragen bei der Integration eines grossen Batteriespeichers in einen bestehenden Produktionsbetrieb berücksichtigt werden müssen.

Versorgungssicherheit weiter gedacht

Das Beispiel der Egli-Mühlen AG zeigt, dass Versorgungssicherheit verschiedene Ebenen hat. Rohstoffe müssen verfügbar sein, Transportwege funktionieren und die Energieversorgung gewährleistet sein. Gerade für ein Unternehmen, das Futtermittel für die Schweizer Landwirtschaft produziert, sind diese Faktoren zentral.

Die Batterie ist dabei kein neues Geschäftsmodell und verändert auch nicht das Kerngeschäft der Egli-Mühlen AG. Sie ist vielmehr Teil eines umfassenden Energiekonzepts – und eine Notfalllösung, die im normalen Alltag einen wirtschaftlichen Nutzen bringt.

Oder wie Simon Egli es zusammenfasst: «Unser Geschäft ist die Futtermittelproduktion. Die Batterie hilft uns, dieses Geschäft auch in ausserordentlichen Situationen zuverlässig weiterführen zu können – und solange kein Notfall eintritt, kann sie sinnvoll genutzt werden.»

 

Simon Egli ist der Geschäftsführer der Egli Mühlen AG in Nebikon.

 

KMU Fachforum - Erfahrung teilen und Zukunft gestalten

Dieses Referat hielt Simon Egli am KMU Fachforum 2026. Seit 2023 treffen sich im Spätsommer Vertreterinnen und Vertreter aus Schweizer KMU im idyllischen Heuboden, um sich zu aktuellen Themen auszutauschen, zu netzwerken und voneinander zu lernen. Die nächste Ausgabe findet am 26. August 2027 statt. Aktuelle Informationen zum KMU Fachforum finden Sie jederzeit auf www.kmu-fachforum.ch.