Vom Abfallkübel zum digitalen Kreislauf – wie Anta Swiss Innovation lebt

21.10.2026
3 Min.

Anta Swiss ist ein Unternehmen, das zeigt, wie weit man kommen kann, wenn man ein scheinbar einfaches Produkt konsequent weiterdenkt. Was 2002 mit einem neuen Abfallkübel für die Stadt Zürich begann, ist heute ein Geschäftsmodell, das Kreislaufwirtschaft, digitale Services, nachhaltige Materialien und eine ungewöhnlich offene Unternehmenskultur verbindet. Am KMU Fachforum 2026 erklärten Thomas und Matthias Strebel, Geschäftsführer und Inhaber der Anta Swiss AG, wie aus dem Abfallhai ein Ökosystem aus Produkten, Daten und Dienstleistungen wurde – und warum Innovation für sie immer auch eine Frage der Haltung ist.

 

Matthias und Thomas Strebel von Anta Swiss AG sprachen am KMU Fachforum 2026 (Bild Anta Swiss)

 

Nachfolge und neue Kompetenzen als Ausgangspunkt

Die beiden geschäftsführenden Inhaber führen Anta Swiss in zweiter Generation. Thomas bringt Informatik- und Softwarekompetenz mit, Matthias Elektrotechnik und Hardwareentwicklung. Diese Kombination wurde später entscheidend: Sie ermöglichte den Übergang vom klassischen Produktgeschäft zu digitalen Lösungen. Die Firma beschäftigt rund 40 Mitarbeitende, ist in Knonau verankert und in der DACH-Region aktiv.

Vision: Eine Welt ohne Verschwendung

Anta Swiss lebt wirtschaftlich davon, dass Abfall entsteht – und arbeitet gleichzeitig daran, Verschwendung zu reduzieren. Die Vision lautet: Eine Welt ohne Verschwendung - in Harmonie mit der Natur für Generationen.

Daraus entsteht ein erweitertes Verständnis von Abfall: Nicht als Restproblem, sondern als Wertstoff, der möglichst lange im Kreislauf bleiben soll. Reparatur, Rücknahme, Recycling und langlebige Materialien wie zirkulärer Chromstahl (mit bis zu 98 % Recyclinganteil) sind zentrale Elemente. Das Unternehmen verfolgt das Ziel «Netto 0 bis 2030».

Der Abfallhai – ein Produkt als Innovationsmotor

Die Geschichte beginnt 2002 mit einer Ausschreibung der Stadt Zürich. Der Entwurf des Designers Werner Zemp setzte sich gegen rund 70 Mitbewerber durch. Die ersten Modelle stehen teils seit über 20 Jahren im Einsatz – ein Beweis für Langlebigkeit, aber auch eine Herausforderung für das Geschäftsmodell.

Aus realen Problemen entstanden neue Varianten:

  • Protectus – ein explosionssicherer Abfallbehälter, getestet auf dem Waffenplatz Thun.
  • Bärenstark – ein bärensicherer Behälter, geprüft im Tierpark Goldau und mit WWF-Label.
  • Trinkbrunnen und Sitzbänke – als Antwort auf Hitzeperioden und den Bedarf im öffentlichen Raum.
  • Trennsysteme – für Wertstofftrennung im Passantenabfall.
  • Unterflurlösungen – für Orte, wo besonders viel Abfall anfällt.

Die Produktpalette reicht heute von 1 bis 1000 Liter Fassungsvermögen.

Digitalisierung aus einem konkreten Problem heraus

Der Übergang zur Digitalisierung begann nicht mit einer Strategie, sondern mit einem Produkt: Dem Solar-Presshai. Dieser verdichtet Abfall im Behälter, misst den Füllstand und sendet Daten an eine Plattform. Als externe Partner das Projekt nicht fertigstellten, übernahmen Matthias (Hardware) und Thomas (Software) die Entwicklung selbst.

Daraus entstand die Plattform Haiinsel. Sie zeigt Gemeinden und Werkdiensten:

  • Inventar
  • Standorte
  • Füllstände
  • sinnvolle Leerungsintervalle

Leerungen können damit bedarfsorientiert geplant werden, das spart Fahrten, Arbeitszeit und CO₂. Laut Berechnung amortisieren sich Sensorik und Plattform unter passenden Bedingungen nach rund 11 Monaten.

Dienstleistungen als Teil des Kreislaufs

Anta Swiss versteht Service als Verlängerung der Produktlebensdauer. Dazu gehören:

  • Montage
  • Reparaturen
  • Ersatzteile weit über die Lebensdauer hinaus
  • Schulungen
  • Reinigung durch das Hai Cleaning Mobil
  • Beratung mit dem HaiMobil, das Produkte direkt zu Kunden bringt

Was gepflegt und repariert wird, muss weniger schnell ersetzt werden – ein Kernprinzip der Kreislaufwirtschaft.

Innovation als Kulturfrage

Im letzten Teil des Referats zeigten die Strebels, wie Unternehmenskultur Innovation ermöglicht. Dazu gehören Rituale wie das Morgenturnen, die Golden Bell für Lernende, Begeisterungsprämien, Lobkarten und die Bestellglocke. Mit dem Schwarmbonus werden alle Mitarbeitenden am Unternehmenserfolg beteiligt.

Zentrale Kennzahlen werden im Sinne eines Open Book Managements transparent gemacht. Die Idee dahinter: Wer mitdenken soll, muss verstehen, wie es dem Unternehmen geht.

Tun statt warten

Der wichtigste Gedanke des Referats war vielleicht der einfachste: Tun. Innovation entsteht durch Ausprobieren, Lernen und Ausdauer. Der Protector etwa wurde ursprünglich für Paris entwickelt – dort aber nie eingesetzt. Rund 20 Jahre später fand er seinen Markt in Basel-Mulhouse. Manche Ideen brauchen einfach Zeit.


Die Brüder Matthias und Thomas Strebel sind Geschäftsführer und Mitinhaber der Anta Swiss AG.

 

 

KMU Fachforum - Erfahrung teilen und Zukunft gestalten

Dieses Referat hielten Matthias und Thomas Strebel am KMU Fachforum 2026. Seit 2023 treffen sich im Spätsommer Vertreterinnen und Vertreter aus Schweizer KMU im idyllischen Heuboden, um sich zu aktuellen Themen auszutauschen, zu netzwerken und voneinander zu lernen. Die nächste Ausgabe findet am 26. August 2027 statt. Aktuelle Informationen zum KMU Fachforum finden Sie jederzeit auf www.kmu-fachforum.ch.