Neue ERP-Realität: Cloud, weniger Medienbrüche und neue Kompetenzen

09.04.2026
3 Min.

Lange wirkten ERP-Systeme wie unbewegliche Schwergewichte der IT. Doch dieser Eindruck täuscht: Technologien, Marktstrukturen und Erwartungen verändern sich rasant. Vier Experten erklären, wo der Wandel besonders spürbar ist – und was das für Schweizer KMU bedeutet. Loris Gautschi zur aktuellen Dynamik im ERP-Markt.

 

Loris Gautschi ist CEO der it5solutions GmbH

 

Was verändert sich im ERP-Markt in der Schweiz gerade am stärksten – und was bedeutet das konkret für KMU?

Der ERP-Markt in der Schweiz bewegt sich weg von On-Premises hin zu Cloud-Lösungen. Gleichzeitig beobachten wir einen starken Trend zu modularen ERP-Architekturen, bei denen Unternehmen gezielt einzelne Cloud-Komponenten ergänzen. Unsere Kunden setzen sich im Zuge der Digitalisierung zudem intensiver mit Medienbrüchen in ihren Prozessen auseinander. Für KMU bedeutet das: Neue Kompetenzen aufbauen, Mitarbeitende schulen und die Datenhaltung bewusster gestalten. Trotz stabiler Marktstruktur sehen wir Verschiebungen bei Anbietern im Markt – und natürlich spielt KI eine zunehmend wichtige Rolle.

 

KI im ERP: Wo sehen Sie heute echten Mehrwert – und wo bleibt es vorerst Theorie?

Echten Mehrwert sehen wir heute vor allem bei Automatisierung, Anomalie- und Fehlererkennung sowie bei der Analyse komplexer Datenmengen. KI kann Anwendern helfen, die steigende Komplexität in ERP-Systemen zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten. Wichtig ist jedoch, Ergebnisse weiterhin kritisch zu prüfen– ohne diese Sensibilisierung kann KI auch kontraproduktiv wirken. Ein vollständig autonomes ERP-System bleibt vorerst Zukunftsmusik: KI arbeitet heute stark statistisch und hat bei völlig neuen Situationen noch klare Grenzen.

 

Wie können sich kleinere, cloudbasierte ERP-Anbieter in einem zunehmend internationalen Markt glaubwürdig differenzieren?

Kleinere cloudbasierte ERP-Anbieter können sich vor allem durch Spezialisierung und Nähe zum Kunden differenzieren. Statt ein generisches System für alle zu bauen, sollten sie branchenspezifische Lösungen, lokale regulatorische Anforderungen und praxisnahe Prozesse abdecken. Glaubwürdigkeit entsteht zudem durch hohe Implementierungsqualität, flexible Anpassbarkeit, transparente Partnerschaften und schnellen Support. So bieten sie mehr Nutzen als grosse, oft weniger flexible Standardlösungen.

 

Blick nach vorn: Welche Entwicklungen werden ERP-Lösungen bis 2031 prägen – und worauf sollten Unternehmen sich schon heute einstellen?

Bis 2031 werden vor allem KI-gestützte Automatisierung, modulare Cloud-Plattformen und stärker vernetzte Datenökosysteme ERP-Lösungen prägen. Gleichzeitig wird sich zeigen, dass nicht alle Organisationen vollständig in die Cloud gehen können - etwa aus regulatorischen, sicherheitsrelevanten oder politischen Gründen. Dadurch gewinnen Hybrid- und On-Prem-Modelle wieder an Bedeutung. Unternehmen sollten deshalb heute auf offene, flexible Architekturen setzen, die sowohl Cloud- als auch lokale Betriebsmodelle unterstützen.

 

 

Lesen Sie hier den Eingangsartikel

Hier finden Sie die Antworten von Uwe Singer

Hier lesen Sie die Antworten von Philipp Fux und Silvan Wyden

Hier erfahren Sie die Antworten von Fabian Schläpfer

 

 

 

 

 

Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 26-1

 

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