Lange wirkten ERP-Systeme wie unbewegliche Schwergewichte der IT. Doch dieser Eindruck täuscht: Technologien, Marktstrukturen und Erwartungen verändern sich rasant. Vier Experten erklären, wo der Wandel besonders spürbar ist – und was das für Schweizer KMU bedeutet. Wie Uwe Singer den Wandel im ERP-Markt einordnet.

Uwe Singer ist CEO der boreas AG
Was verändert sich im ERP-Markt in der Schweiz gerade am stärksten – und was bedeutet das konkret für KMU?
Am stärksten verändern derzeit Konsolidierung und Cloud-Verlagerung den Schweizer ERP-Markt: Lokale Anbieter werden übernommen, zugleich wächst der Druck in Richtung SaaS- und Cloud-Modelle. Topsoft sprach 2025 von einer Marktkonzentration, bei der kleinere Anbieter «geschluckt» werden; parallel gewinnen lokal gehostete Private Clouds und Hyperscaler an Bedeutung. Für KMU heisst das: Die Wahl des Partners wird strategischer – Nähe, Mitgestaltung, Datensouveränität und Einführungskompetenz werden wichtiger als reine Konzernstärke.
KI im ERP: Wo sehen Sie heute echten Mehrwert – und wo bleibt es vorerst Theorie?
Echten Mehrwert sehen wir heute weniger im laufenden ERP-Betrieb als in der Entwicklung und im Customizing. KI beschleunigt die Umsetzung von Anpassungen, unterstützt bei Tests, Dokumentation und Codequalität und verkürzt damit Projektlaufzeiten deutlich. Für KMU bedeutet das: raschere Einführungen, geringere Kosten und schnellere Resultate. Vieles, was im operativen ERP mit KI versprochen wird, ist dagegen noch Zukunftsmusik oder nur in klar abgegrenzten Fällen wirklich praxistauglich.
Wie können sich kleinere, cloudbasierte ERP-Anbieter in einem zunehmend internationalen Markt glaubwürdig differenzieren?
Durch Nähe, Spezialisierung und Verlässlichkeit. Kleinere cloudbasierte ERP-Anbieter können sich glaubwürdig differenzieren, wenn sie Schweizer KMU wirklich verstehen: mit Support auf Augenhöhe, kurzen Wegen, branchennaher Beratung und Lösungen, die sich an den eigenen Prozessen und Stärken der Kunden orientieren. Dazu kommen Swiss Made, Schweizer Hosting, hohe Datensicherheit und raschere, praxisnahe Einführungen
Blick nach vorn: Welche Entwicklungen werden ERP-Lösungen bis 2031 prägen – und worauf sollten Unternehmen sich schon heute einstellen?
Bis 2031 werden sich drei Trends klar verstärken: Mehr Marktkonzentration, Cloud/SaaS als Standard und KI als integrierte Assistenz- und Automatisierungsschicht. Gartner erwartet stark steigende Investitionen in KI-fähige Cloud-ERP-Lösungen; zugleich läuft im Schweizer Markt bereits eine Konsolidierung. Für Unternehmen heisst das: Prozesse klären, Datenqualität erhöhen und die Partnerwahl strategisch absichern – sonst wächst die Abhängigkeit vom Anbieter.
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Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 26-1
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