ERP-Markt: Neue Anbieter, KI und Konsolidierung

09.04.2026
3 Min.

Lange wirkten ERP-Systeme wie unbewegliche Schwergewichte der IT. Doch dieser Eindruck täuscht: Technologien, Marktstrukturen und Erwartungen verändern sich rasant. Vier Experten erklären, wo der Wandel besonders spürbar ist – und was das für Schweizer KMU bedeutet. So bewertet Fabian Schläpfer die aktuelle Entwicklung.

 

Fabian Schläpfer ist Geschäftsführer von Swiss21.org AG

 

Was verändert sich im ERP-Markt in der Schweiz gerade am stärksten – und was bedeutet das konkret für KMU?

Im Schweizer ERP-Markt sehen wir aktuell drei Entwicklungen. Erstens treten durch tiefere Eintrittshürden vermehrt neue Cloud-Anbieter auf. Zweitens hält KI zunehmend Einzug in ERP-Lösungen, wobei sich nicht alle Anbieter die dafür nötige, sehr kostenintensive Forschung leisten können. Drittens sehen wir eine Konsolidierung durch Übernahmen, bei der auch ausländische Investoren immer stärker mitmischen. Für KMU bedeutet das mehr Innovation, aber auch die Frage nach langfristig stabilen Partnern.

 

KI im ERP: Wo sehen Sie heute echten Mehrwert – und wo bleibt es vorerst Theorie?

Der grösste Mehrwert liegt aktuell bei der Informationssuche oder Aufbereitung, etwa in Supportportalen. Zudem verändert KI die Interaktion mit ERP-Systemen: Mit agentenbasierten Ansätzen sagen wir dem System direkt, was wir erledigen wollen, statt uns durch Masken zu klicken. Das populäre Thema der KI-Belegerkennung ist bereits seit Längerem ausgereift und fester Bestandteil der Prozesse. Gleichzeitig entwickeln sich die Technologien extrem schnell – weshalb Prognosen auf einer Zeitachse derzeit nur schwer möglich sind.

 

Wie können sich kleinere, cloudbasierte ERP-Anbieter in einem zunehmend internationalen Markt glaubwürdig differenzieren?

Der Schweizer Markt ist klein, aber komplex – etwa durch Regulierung, Mehrsprachigkeit und spezifische Geschäftsprozesse. Für kleinere, cloudbasierte ERP-Anbieter ist das eine attraktive Nische, in der sie sich mit lokalem Know-how und Nähe zu den KMU differenzieren können. Gleichzeitig ist die Schweiz ein starker Innovationsstandort, der neue Technologien früh aufnimmt. Wer lokale Anforderungen versteht und Innovationen schnell integriert, kann sich auch gegenüber grossen internationalen Anbietern erfolgreich positionieren.

 

Blick nach vorn: Welche Entwicklungen werden ERP-Lösungen bis 2031 prägen – und worauf sollten Unternehmen sich schon heute einstellen?

Bis 2031 wird Künstliche Intelligenz der wichtigste Treiber für ERP-Innovationen sein. Systeme unterstützen Prozesse stärker, machen Vorschläge und übernehmen teilweise Aufgaben. Gleichzeitig arbeitet in den meisten Unternehmen weiterhin ein Mensch mit dem System. Der technologische Fortschritt ist schnell, Organisationen verändern sich langsamer. Entscheidend ist daher, Mitarbeitende früh mitzunehmen. Wir verstehen KI als Ergänzung menschlicher Fähigkeiten: Erfahrung und Kreativität werden durch Rechenleistung erweitert.

 

 

Lesen Sie hier den Eingangsartikel

Hier finden Sie die Antworten von Uwe Singer

Hier lesen Sie die Antworten von Philipp Fux und Silvan Wyden

Hier sind die Antworten von Loris Gautschi

 

 

 

 

 

 

Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 26-1

 

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