Viele Unternehmen investieren heute viel Geld in Cybersecurity, Cloud-Projekte und moderne IT-Infrastrukturen. In Gesprächen mit IT-Verantwortlichen stelle ich jedoch immer wieder fest, dass grundlegende Fragen oft unbeantwortet bleiben: Welche Software wird überhaupt eingesetzt? Ist sie noch aktuell? Und wer ist für die Wartung verantwortlich? Genau dort entstehen Risiken, die weder Firewalls noch Vulnerability Scanner lösen können.

Symbolbild von panumas nikhomkhai via Pexels
Cybersecurity braucht Transparenz
In vielen Unternehmen lässt sich heute innerhalb weniger Stunden feststellen, welche Schwachstellen auf Servern, Clients oder Anwendungen vorhanden sind. Moderne Vulnerability Scanner liefern detaillierte Berichte, priorisieren Risiken und zeigen kritische Sicherheitslücken auf.
Die Schwachstelle zu finden ist heute meistens nicht mehr das Problem. Die eigentliche Herausforderung beginnt dann, wenn die Lücke geschlossen werden soll. In der Praxis stellen wir regelmässig fest, dass die betroffene Software zwar bekannt ist, aber keine gültige Wartung mehr vorhanden ist oder die eingesetzte Version seit Jahren nicht mehr aktualisiert wurde.
Ein Scanner erkennt die Schwachstelle innerhalb weniger Minuten. Die Behebung kann hingegen Wochen oder sogar Monate dauern. Nicht weil die IT-Abteilung nicht handeln möchte, sondern weil die Voraussetzungen für ein Update fehlen.
Sicherheit und Lizenzmanagement sind deshalb enger miteinander verbunden, als viele vermuten. In der Praxis stellen wir regelmässig fest, dass technische Risiken früh erkannt werden. Fragen zu Wartungsverträgen, Nutzungsrechten oder bestehenden Lizenzmodellen tauchen hingegen oft erst dann auf, wenn ein Update eingespielt, eine Migration geplant oder ein Audit angekündigt wird.
Cloud-Projekte schaffen neue Herausforderungen
Viele Unternehmen betrachten eine Cloud-Migration primär als technisches Projekt. Dabei werden die Auswirkungen auf Wartung, Nutzungsrechte und Compliance häufig erst in einer späteren Projektphase diskutiert.
Gerade während einer Migration entstehen häufig Parallelbetriebe. Anwendungen laufen über Wochen oder Monate gleichzeitig im eigenen Rechenzentrum und in der Cloud. Technisch ist das sinnvoll und meist unvermeidbar.
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass eine vorübergehende Doppelnutzung automatisch erlaubt ist. Genau hier entstehen jedoch regelmässig Diskussionen, weil bestehende Lizenzrechte nicht immer ohne Weiteres auf zusätzliche Umgebungen ausgedehnt werden können.
Hinzu kommt, dass nicht jede Software einfach als Cloud-Abonnement bezogen werden kann. In bestimmten Szenarien müssen bestehende Lizenzrechte aus dem eigenen Rechenzentrum mitgebracht werden. Voraussetzung dafür sind häufig gültige Wartungsverträge und eine sorgfältige Planung der Migration.
Nicht jede Cloud ist gleich
Viele Unternehmen sprechen von «der Cloud». Dabei wird oft vergessen, dass Cloud nicht gleich Cloud ist.
Für die Lizenzierung kann es einen Unterschied machen, ob eine Anwendung auf dedizierter Hardware, virtuellen Maschinen oder gemeinsam genutzten Cloud-Ressourcen betrieben wird. Was technisch nahezu identisch aussieht, kann aus Compliance-Sicht unterschiedlich bewertet werden.
Die technische Architektur beeinflusst deshalb nicht nur Performance, Skalierbarkeit und Betriebskosten, sondern unter Umständen auch die zulässige Nutzung von Software. Die Diskussionen beginnen häufig erst dann, wenn bestehende Anwendungen in die Cloud verschoben werden sollen oder ein Hersteller die genaue Betriebsform genauer betrachtet.
IT-Sicherheit beginnt beim Überblick
Ein aktuelles Softwareinventar, transparente Wartungsverträge und klar definierte Verantwortlichkeiten schaffen die Grundlage für sichere Systeme, erfolgreiche Cloud-Projekte und eine nachhaltige IT-Governance. Viele Risiken lassen sich dadurch vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.
Denn eines gilt heute mehr denn je:
Man kann nur schützen, was man kennt.
Der Autor
Marco Kurmann ist Geschäftsführer der bbi Software AG und begleitet seit über 20 Jahren Unternehmen bei Themen rund um Softwarelizenzierung, Cloud-Migrationen, Compliance und Hersteller-Audits. Sein Fokus liegt auf der Verbindung von IT-Infrastruktur, Security und Lizenzmanagement.
www.bbi.ch
Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 26-2
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