KI im System: Wie Aptean mit AppCentral ERP, MES und KI zusammenführt

23.09.2026
3 Min.

Mit AppCentral bringt Aptean ERP, MES und branchenspezifische KI in einer gemeinsamen Plattform zusammen – und verwandelt vorhandene Daten in konkrete Unterstützung für die Fertigung. Immer mehr Industrieunternehmen setzen nicht mehr auf generative KI‑Tools, sondern auf eingebettete, prozessnahe KI, die direkt dort wirkt, wo täglich Entscheidungen getroffen werden.

 


KI greift dort an, wo ERP-Daten auf Shopfloor-Realität treffen – von der Arbeitsvorbereitung über die Produktionsplanung bis zur Qualitätssicherung. (Quelle: yoh4nn via Getty Images, zVg von Aptean)

 

Vom Buzzword zur echten Entlastung

In Gesprächen mit Variantenfertigern und Maschinenbauern zeigt sich ein klarer Trend: KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern eine Erwartungshaltung. Arno Schlingermann, Senior Solutions Consultant Sales bei Aptean Germany GmbH, bringt es auf den Punkt: „Sie reden nicht mehr über KI als abstraktes Buzzword, sondern fragen sehr konkret: Wo nimmt mir das im Tagesgeschäft wirklich Arbeit ab?“

Viele Unternehmen verfügen bereits über solide ERP‑Grundlagen – häufig die oxaion ERP Edition – sowie über SYNCOS MES. Die Daten sind also vorhanden, aber oft nicht verknüpft. Qualitätsdaten aus dem MES und Bestelldaten aus dem ERP bleiben getrennt, Berichte müssen manuell abgeglichen werden.

Genau hier setzt AppCentral an.

AppCentral: Eine Plattform, die Daten zusammenführt

AppCentral vereint Anwendungen, Daten und Workflows aus ERP, MES, CAQ und EAM in einer cloudbasierten Umgebung. Herzstück ist Aptean Intelligence, eine KI‑Ebene, die

  • strukturierte und unstrukturierte Daten in Echtzeit nutzt

  • Fragen in natürlicher Sprache beantwortet

  • rollenbasiert arbeitet

  • und Aufgaben tatsächlich ausführt, statt nur Reports zu generieren

Damit entfällt das mühsame Zusammensuchen von Informationen aus verschiedenen Systemen. Entscheidungen basieren auf einer gemeinsamen Datenbasis.

Schlingermann beschreibt die aktuelle Kundensicht so: „Aktuell befinden sich die meisten unserer Kunden in einer sehr pragmatischen Phase. Sie starten nicht mit der kompletten Plattform, sondern mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt.“

KI-nativ statt nachgerüstet

Viele KI‑Lösungen werden über Schnittstellen an bestehende Systeme „angeflanscht“. Aptean verfolgt einen anderen Ansatz: KI ist Teil der Architektur, nicht ein Zusatztool.

Andreas Theel, Solutions Consultant bei Aptean, erklärt: „KI-nativ heisst für uns: Die KI ist von Anfang an Teil der Architektur und wird nicht erst im Nachhinein ergänzt.“ Der Unterschied ist erheblich: Nachgerüstete KI sieht nur den Ausschnitt, den ein Connector freigibt. AppCentral dagegen löst Datensilos bereits auf Architekturebene auf. Theel fasst es wie folgt zusammen: „KI-nativ bedeutet, dass die Intelligenz von Beginn an im System verankert ist und aktiv mitläuft.“

Verstärker statt Ersatz für das ERP

Warum KI-Agenten einsetzen, wenn das ERP doch zuverlässig funktioniert? Schlingermann hat eine klare Antwort: „Das ERP bleibt das Rückgrat. Es zeigt zuverlässig den Stand, meldet sich aber nicht von selbst, wenn etwas aus dem Ruder läuft.“ Ein KI-Agent dreht das Prinzip um: Das System meldet sich proaktiv.

Drei zentrale Anwendungsfälle:

  • Proaktive Warnungen (z. B. Lieferverzug, bevor er sichtbar wird)

  • Routineaufgaben automatisieren

  • Fragen in natürlicher Sprache über Systemgrenzen hinweg

Die KI erstetzt das ERP dabei nicht, sie ist bloss ein Verstärker.

Sicherheit: Der KI-Agent als „neuer Mitarbeiter“

Gerade in der Fertigung ist Datensicherheit entscheidend. Theel betont: „Der KI-Agent bekommt keine übergeordnete Allmacht-Berechtigung, sondern handelt unter der Identität und mit den Rollenrechten des jeweiligen Nutzers.“ Alle Zugriffe sind protokolliert und auditierbar. Kritische Schritte bleiben menschliche Entscheidungen. „Ein KI-Agent wird bei uns sicherheitstechnisch wie ein neuer Mitarbeiter behandelt.“

Wo der Nutzen am grössten ist

Schlingermann sieht die schnellsten Effekte dort, wo Daten vorhanden, aber nicht aktiv genutzt werden:

  • Qualitätsmanagement: Abweichungen werden in Sekunden statt Stunden erkannt.

  • Prüfmittelverwaltung: Proaktive Hinweise auf Kalibrierungen verhindern Stillstände.

  • Beschaffung: Externe Signale wie Materialpreise oder Zolländerungen werden mit internen Bestelldaten verknüpft.

  • Predictive Maintenance: Wertvoll, aber oft mit längerer Vorlaufzeit.

  • Variantenfertigung: Regeln können in natürlicher Sprache gepflegt werden – weniger Abhängigkeit von Experten.

Unternehmen sollten mit Anwendungsfällen starten, bei denen sie innerhalb von 90 Tagen einen konkreten Effekt sehen können.

Was sich auf dem Shopfloor verändert

Theel beschreibt die Wirkung auf Rollen sehr plastisch:

  • Werker: Sieht zentral, was als Nächstes ansteht, welches Material verfügbar ist und welche Zeichnung gültig ist.

  • Schichtleiter: Hat die Maschinenbelegung in Echtzeit im Blick.

  • Arbeitsvorbereitung: Reagiert schneller auf Veränderungen, weil Rückmeldungen direkt einfliessen.

Der grösste Effekt ist nicht eine neue Funktion, sondern das Schliessen der Lücken zwischen den Systemen.

„Wir sind noch nicht bereit für KI“ – Ausrede oder Realität?

Schlingermann nimmt den Einwand ernst, warnt aber: „Niemand hat perfekte Daten. ‘Wir sind noch nicht bereit’ ist häufig ein Zustand, der sich immer weiter in die Zukunft verschiebt.“

Seine Empfehlung: Klein starten, einen Bereich mit guter Datengrundlage wählen und dann eben Erfahrungen sammeln.

Theel erwartet dabei keine Revolution, sondern eine schrittweise Integration: „Ein Fertigungsunternehmen muss 2026 nicht der KI-Vorreiter seiner Branche sein. Entscheidend ist, den Einstieg gefunden zu haben.“

Aachener KI-Tage 2026

Am 17. und 18. November 2026 treffen sich Fach- und Führungskräfte aus der Fertigungsindustrie im FIR-Konferenzzentrum auf dem RWTH Aachen Campus zu den Aachener KI-Tagen. Am ersten Tag steht mit dem KI-Bootcamp die praktische Erarbeitung einer eigenen KI-Roadmap im Mittelpunkt. Am zweiten Tag folgt eine Fachtagung mit begleitender Fachausstellung zu aktuellen Entwicklungen und Praxisbeispielen rund um KI im Unternehmen.
Veranstalter sind Trovarit, das FIR an der RWTH Aachen und das Portal zukunft-der-industrie.de. Aptean ist Exklusivpartner der Veranstaltung und hält u.a. einen KI-Vortrag auf der Hauptbühne. Weitere Informationen

 

 

Aptean Germany GmbH | 76275 Ettlingen (Deutschland) | www.oxaion.ch

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