Individuallösung oder Standardsoftware? Antworten von Pascal Müller

Nicht wenige Anwender schwören auf Standardsoftware. Ganz nach dem Motto: Wir halten uns möglichst an etablierte Prozesse und vermeiden teure Anpassungen oder Schnittstellen. Andere wiederum investieren in eine massgeschneiderte Individuallösung und nutzen diese, um einzigartige Geschäftsmodelle zu realisieren. Wann sollte man sich für welchen Weg entscheiden? Wie sieht eine Kombination aus, bei der eine Standardsoftware individuell erweitert wird? Ab welchem Zeitpunkt rechnet sich eine Individuallösung? Wir haben Experten befragt, welche sich mit dem Thema bestens auskennen. Wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven.
 
 
Pascal Müller, Geschäftsführer AS infotrack AG, beantwortet die Fragen von Christian Bühlmann, Chefredaktor topsoft Fachmagazin.
 
 
topsoft Fachmagazin: Wann entscheidet sich ein Unternehmen aus Ihrer Sicht für eine Individualsoftware, wann für eine Standardlösung? 
 
Pascal Müller: Der Entscheid für eine massgeschneiderte Lösung fällt meist aufgrund spezifischer Prozesse, welche sich nicht mit einem Standardprodukt abdecken lassen. Weiter spielt der Kontext eine wesentliche Rolle. Mit einem individuellen Produkt kann von der Benutzerfreundlichkeit, der Technologie und Integration genau auf die Bedürfnisse eines Kunden eingegangen werden. Für ein Standardprodukt spricht die kurzfristige Verfügbarkeit und der geringere Initialaufwand.
 
 
Geht der Trend eher in Richtung individuell entwickelter Anwendungen oder geben standardisierte Produkte den Ton an?
 
Ich denke nicht, dass sich diese Frage pauschal beantworten lässt. In Branchen mit einer guten Auswahl an standardisierten Produkten sind diese sicherlich dominierend. In Nischen mit sehr spezifischen Anforderungen sind es Individualprodukte. Faktoren wie Lizenzkosten, eingesetzte Architektur und Usability spielen bei der Entscheidung mit. Auffällig ist, wie die Benutzerfreundlichkeit immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich mit einer massgeschneiderten Lösung klar besser umsetzen lässt.
 
 
Wie sind Ihrer Erfahrungen betreffend Kombination von Standardlösungen und Individualsoftware? Wo liegen die kritischen Punkte?
 
Diese Kombination treffen wir bei fast allen Projekten an. Grundsätzlich hängen die kritischen Punkte stark von den Möglichkeiten der jeweiligen Standardlösungen ab. Vorbildliche Produkte mit offener, moderner Schnittstellen-Architektur lassen sich problemlos integrieren. Schwierigkeiten ergeben sich dann, wenn eine Software keinen Datenaustausch erlaubt. Für Prozessschritte, bei welchen eine Live-Antwort erforderlich ist, reicht ein asynchroner Austausch via Dateien und Datenbanken zudem nicht aus.
 
 
Anders als Standardsoftware wird eine individuelle Lösung entwickelt. Wie gross ist der damit verbundene Mehraufwand und wie rechnet sich das?
 
Der Mehraufwand ist in der Regel überschaubar. Eine Individualentwicklung setzt meist auf vorhandenen Frameworks und Bausteinen auf. Die notwendige Mitarbeit des Kunden wird häufig unterschätzt. Diese ist essenziell, da das resultierende Produkt auf dessen Anforderungen massgeschneidert wird. Unsere individuellen Produkte amortisieren sich meist nach zwei bis fünf Jahren. Im Alltag zahlen sich diese durch hocheffiziente Prozesse, tiefe Unterhaltskosten und den Wegfall von Abhängigkeiten aus.
 
 
 
 
 

Der Autor

 

Christian Bühlmann ist Chefredaktor des topsoft Fachmagazins. Er ist Spezialist für Content Produktion und Marketingstrategien und seit über 30 Jahren in verschiedenen Funktionen im IT-Business tätig.
 
 

Dieser Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 22-2

 

 

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