Individuallösung oder Standardsoftware? Antworten von Kevin D. Klak

Nicht wenige Anwender schwören auf Standardsoftware. Ganz nach dem Motto: Wir halten uns möglichst an etablierte Prozesse und vermeiden teure Anpassungen oder Schnittstellen. Andere wiederum investieren in eine massgeschneiderte Individuallösung und nutzen diese, um einzigartige Geschäftsmodelle zu realisieren. Wann sollte man sich für welchen Weg entscheiden? Wie sieht eine Kombination aus, bei der eine Standardsoftware individuell erweitert wird? Ab welchem Zeitpunkt rechnet sich eine Individuallösung? Wir haben Experten befragt, welche sich mit dem Thema bestens auskennen. Wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven.
 
 
 
Kevin D. Klak, Management-Beratung Digitalrat GmbH, beantwortet die Fragen von Christian Bühlmann, Chefredaktor topsoft Fachmagazin.
 
 
topsoft Fachmagazin: Wann entscheidet sich ein Unternehmen aus Ihrer Sicht für eine Individualsoftware, wann für eine Standardlösung? 
 
Kevin D. Klak: Das lässt sich kaum pauschal beantworten. Insofern sollte jedes Unternehmen neutral an die Frage herangehen und sich vorab Gedanken machen was man effektiv lösen bzw. erreichen möchte. 
 
Grundsätzlich kann jede Software «alles». Generell ist eine Standardlösung schnell verfügbar und kann so rasch Abhilfe schaffen. Individualsoftware ermöglicht es aktuelle und künftige Prozesse besser abzubilden und auf Eigenheiten im Unternehmen einzugehen. 
 
 
Geht der Trend eher in Richtung individuell entwickelter Anwendungen oder geben standardisierte Produkte den Ton an?
 
Aktuell habe ich den Eindruck, dass Standardlösungen bei 0815-Themen (E-Commerce, ERP, CRM usw.) die Nase etwas vorn haben. Wobei es meist eine trügerische Sicherheit ist. Weil man bereits ein System von Firma X im Einsatz hat und dann von dieser Firma X auch weitere Software beschafft. Man glaubt, wo X draufsteht, auch X drin ist. Dies ist häufig nicht der Fall und somit gibt es ein böses Erwachen.
 
 
Wie sind Ihrer Erfahrungen betreffend Kombination von Standardlösungen und Individualsoftware? Wo liegen die kritischen Punkte?
 
Eine Kombination ist weniger kritisch als man es gemeinhin vermuten könnte. Schliesslich wird die Software dort eingesetzt, wo sie ihre Stärken hat und «übergibt» dort, wo die Schwächen vorhanden sind. Somit benötigt man nebst einer Strategie zur IT-Architektur ein starkes Augenmerk auf das Schnittstellen- und Testmanagement. Entsprechend kann der Einsatz von Individualsoftware auch Einfluss auf die Rekrutierung von internen und externen Mitarbeitenden haben.
 
 
Anders als Standardsoftware wird eine individuelle Lösung entwickelt. Wie gross ist der damit verbundene Mehraufwand und wie rechnet sich das?
 
Der Aufwand ist lediglich zu Beginn grösser. Aus gutem Grund. Die danach anfallenden Wartungs- und Supportkosten sind häufig tiefer als die jährlichen Lizenzkosten einer Standardsoftwarelösung. Will sich ein Unternehmen unabhängiger am Markt bewegen und reaktiv sein, so empfiehlt es sich Individualsoftware nicht nur einzusetzen, sondern auch strategisch in die Unternehmenskultur einzupflegen und so breit in der Belegschaft abzustützen.
 
 
 
 
 

Der Autor

 

Christian Bühlmann ist Chefredaktor des topsoft Fachmagazins. Er ist Spezialist für Content Produktion und Marketingstrategien und seit über 30 Jahren in verschiedenen Funktionen im IT-Business tätig.
 
 

Dieser Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 22-2

 

 

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