Ist das wirklich SaaS? Cloud-Modelle im Realitätscheck - Zusammenfassung Webinar

15.06.2026
4 Min.

Cloud ist nicht gleich Cloud. Was als SaaS verkauft wird, ist in der Praxis oft nur klassisches Hosting mit neuem Etikett. In unserem Webinar mit Informatics Solutions zeigten die Referenten, worin die Unterschiede liegen, weshalb echte Multi-Tenant-Architekturen für KMU relevant sind und wie moderne Cloud-ERP-Lösungen Prozesse effizienter und agiler machen. Wer den Unterschied nicht kennt, investiert schnell in ein elegantes Etikett statt in echte Effizienz. Hier lesen Sie die schriftliche Zusammenfassung.

 

 

Der Nebel rund um die Cloud

In Schweizer KMU gehört der Innovationsdruck längst zum Alltag. Wer nicht digitalisiert, gerät ins Hintertreffen, so weit nichts Neues. Doch während Marketingabteilungen der Software-Anbieter munter Buzzwords jonglieren, stehen Entscheider oft im Nebel derselben.

So wird zum Beispiel die strategische Bedeutung des richtigen Betriebsmodells häufig unterschätzt. In unserem Webinar zusammen mit Informatics Solutions (seit 2023 Teil von Azteca Consulting und damit mit gebündelter ERP-Expertise unterwegs) wurde eines schnell klar: Der Unterschied zwischen «echtem» Multi-Tenant SaaS und klassischem Hosting ist heute entscheidend. Wer hier falsch abbiegt, verlagert die Ineffizienzen von gestern einfach in eine teure Cloud-Umgebung. Doch woran erkennt man eine Mogelpackung? 

Roger Busch, unabhängiger ERP-Berater und Mitglied des topsoft Consulting-Netzwerks, lieferte im Webinar spannende Einblicke.

Im Anschluss erklärt Michael Rohn, worin sich Hosting und echtes SaaS unterscheiden und warum das für KMU relevant ist. Er erläutert, wie moderne Cloud-Architekturen Innovation vereinfachen und Prozesse effizienter machen. 

Anschliessend zeigt Robert Mehrler live im System, wie modernes Dokumentenmanagement den Suchaufwand reduziert. Er demonstriert, wie Dokumente im Prozess mitlaufen und Informationen genau dann auftauchen, wenn sie gebraucht werden. 

Die Anatomie der Betriebsmodelle – Einblicke von Roger Busch

Die technische Infrastruktur ist längst kein reines IT-Thema mehr. Sie beeinflusst direkt, wie beweglich ein Unternehmen im Alltag ist. Ein starres ERP-System wirkt dabei schnell wie ein Bremsklotz. 

Roger Busch nahm die drei gängigen Modelle unter die Lupe und räumte mit dem Irrglauben auf, dass “irgendwo in einem Rechenzentrum” automatisch “modern” bedeutet. Besonders der vermeintliche Massanzug der On-Premise-Welt entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als technisches Korsett.

 

Kriterium

On-Premise

Hosting / Private Cloud

SaaS (Multi-Tenant)

Pflege der Software

Volle Eigenverantwortung; Updates sind teure Grossprojekte.

Externer Dienstleister unterstützt; hohe Koordination nötig.

Automatische Updates; kein Projekt-Overhead.

Einfluss auf Anpassungen

Maximale Freiheit, die in die Update-Falle führt.

Oft hohe Komplexität durch individuelle «Pflegefälle».

Konfiguration statt Programmierung; versionsstabil.

Sicherheit

Teures internes Know-how zwingend erforderlich.

Geteilte Verantwortung; Schnittstellen als Einfallstor.

Höchste Standards durch Skaleneffekte des Anbieters.

Innovationstempo

Langsam; System verstaubt über Jahre.

Abhängig von Wartungsfenstern und Kostenfreigaben.

Hoch; kontinuierlicher Fluss neuer Funktionen.

 

Der entscheidende Punkt: Veraltete On-Premise-Systeme führen zu einer Innovationslücke, die mit der Zeit immer grösser wird. Viele KMU scheuen die Kosten eines manuellen Release-Wechsels. Die Folge: Die installierte Software veraltet technologisch. Diese Lücke ist kein theoretisches Problem, sie kostet ganz real Geld durch ineffiziente Prozesse.

Key Takeaways von Roger Busch

Automatisierung: Während On-Premise-Updates oft an Kosten und Aufwand scheitern, liefert SaaS Innovation praktisch per Knopfdruck.

Architektur-Check: Eine echte Multi-Tenant-Cloud basiert auf einer gemeinsamen Code-Basis für alle Kunden. Nur so lassen sich Betrieb und Weiterentwicklung effizient skalieren. Single-Tenant-Lösungen sind häufig nichts anderes als gehostete Altlasten.

Sicherheits-Skalierung: SaaS verschafft KMU Zugang zu Sicherheitsstandards, die intern kaum finanzierbar wären, ein wichtiger Schutz gegen Cyber-Risiken.

Von der IT-Last zur Digitalstrategie – Einblicke von Michael Rohn

Ein ERP-System sollte heute nicht wie ein digitalen Aktenschrank wirken, sondern eher wie ein Wachstumsmotor. 

Michael Rohn erläuterte das Konzept des «Digitalen Zwillings»: Ziel ist die Echtzeit-Abbildung sämtlicher Geschäftsprozesse. Erst auf dieser Basis lassen sich die nächsten Stufen erreichen, von effizienteren Abläufen über datenbasierte Entscheidungen bis hin zur vorausschauenden strategischen Planung.

Der zentrale Punkt: Wer aus vermeintlicher Kostenersparnis an alten On-Premise-Strukturen festhält, rechnet oft zu kurz. Rohn brachte ein eindrückliches Beispiel: Wenn 20 Mitarbeitende pro Tag nur zehn Minuten mit der Suche nach Dokumenten verlieren, summiert sich das über zehn Jahre auf rund 400'000 Franken. 

Dem gegenüber steht bei einer Multi-Tenant-Cloud ein Umsatzpotenzial von einem Prozent durch mehr Transparenz und Geschwindigkeit. Bei einem KMU mit 30 Millionen Umsatz entspricht das drei Millionen Franken in zehn Jahren. Wer hier nur auf Lizenzkosten schaut, blendet die eigentlichen Opportunitätskosten aus. Ohne moderne Cloud-Basis bleibt strategische Planung oft Wunschdenken, weil die Datengrundlage nie aktuell genug ist.

Anschliessend zeigt Robert Mehrler live im System, wie modernes Dokumentenmanagement den Suchaufwand reduziert. Er demonstriert, wie Dokumente im Prozess mitlaufen und Informationen genau dann auftauchen, wenn sie gebraucht werden. 

Key Takeaways von Michael Rohn

Innovations-Rhythmus: Halbjährliche Releases sorgen dafür, dass Unternehmen technologisch nicht stehen bleiben.

Mitarbeiterzufriedenheit: Personalisierte Workbenches und Dashboards senken Prozesskosten, weil sich die Software stärker am Nutzer orientiert.

Daten-Transparenz: Integriertes BI schafft eine gemeinsame Datenbasis und ersetzt Bauchgefühl durch Fakten.

Wenn Dokumente den Prozess finden – Live-Demo von Robert Mehrler

Usability ist in der Industrie längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein echter Effizienzfaktor. Robert Mehrler zeigte am Beispiel der Infor CloudSuite Industrial Enterprise, wie integriertes Dokumentenmanagement den Suchaufwand drastisch reduziert. Das Prinzip ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Dokumente laufen direkt im Prozess mit.

Der eigentliche Wow-Effekt lag in der Kontextsensitivität. Die Sidebar des Systems erkennt automatisch, welcher Artikel oder Vorgang gerade bearbeitet wird, und liefert ohne weiteres Zutun die passenden Zeichnungen, Zertifikate oder Dokumente. Besonders stark: Beim Versand einer Bestellung per E-Mail verknüpft das System automatisch aktuelle ERP-Daten mit den relevanten DMS-Dokumenten, etwa Konstruktionszeichnungen. Das reduziert Fehlerquellen und spart genau jene Zeit, die im KMU-Alltag oft fehlt.

Key Takeaways von Robert Mehrler

Kontextsensitive Sidebar: Die Information findet den Anwender genau dort, wo sie gebraucht wird.

Automatisierte Distribution: ERP-Daten und Dokumente werden intelligent miteinander verknüpft.

Revisionssicherheit: Aus «Suchen» wird «Finden», ein kleiner Unterschied mit grosser Wirkung.

 

Doch der Weg in diese neue Welt wirft natürlich Fragen auf. Wie gelingt die Umsetzung in der Praxis?

Experten-Q&A: Die harten Fakten der Umsetzung

Technologie allein rettet kein Unternehmen, entscheidend ist die Umsetzung. In der Expertenrunde wurde klar: Individualisierung bleibt auch in der Multi-Tenant-Cloud möglich, wenn man sie kontrolliert angeht. Dabei gilt die 60-30-10-Regel: 60 Prozent Standard, 30 Prozent Konfiguration und maximal 10 Prozent echte Individualisierung über externe Bausteine. Wer darüber hinausgeht, baut sich weniger eine Lösung als vielmehr eine technische Schuldenfalle.

Als zentrale Datendrehscheibe fungiert Infor OS, während die ION API sicherstellt, dass Schnittstellen auch nach Releases stabil bleiben. Genau hier liegt ein wesentlicher Unterschied zum klassischen Customizing: Die Integration bleibt versionsstabil.

Der grösste Stolperstein beim Wechsel zu SaaS ist allerdings oft nicht die IT, sondern das Change Management. Viele KMU halten an alten Gewohnheiten und historisch gewachsenen Prozessen fest. Prozesse also, die früher mühsam ins On-Premise-System programmiert wurden. Wer in die Cloud wechselt, muss bereit sein, Prozesse zu hinterfragen und sich stärker an Best Practices zu orientieren, statt den Standard permanent zu verbiegen.

Fazit: Ein Resümee des Realitätschecks

Die Cloud ist weder Selbstzweck noch Modewort, sondern ein strategisches Werkzeug für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Der Realitätscheck zeigt klar: Nur eine Multi-Tenant-Cloud verdient den Namen «echte Cloud», weil nur sie Automatisierung und kontinuierliche Innovation in dieser Form ermöglicht. Für Schweizer KMU bedeutet das den Schritt weg vom IT-Feuerlöscher hin zum digitalen Strategen. Wer die Potenziale der Infor CloudSuite Industrial Enterprise nutzt, gewinnt vor allem eines: Zeit für echte Wertschöpfung.

 

 

Der Autor

Cyrill Schmid ist Managing Partner bei topsoft und leitet auch das topsoft Consulting-Netzwerk. Seit fast 30 Jahren begleitet er Unternehmen bei der Auswahl und Einführung von Business-Software und bringt Klarheit in komplexe IT-Fragen.