White Labelling im B2B-E-Commerce

Aus B2B Commerce-Sicht spricht einiges dafür, hinter die Kulissen von White Label-Lösungen zu schauen. Denn es dreht sich darin um Effizienz, strukturierte Informationsverteilung – und wesentliche Grundlagen für die Skalierbarkeit von Technologien im E-Commerce.
 
 

Symbolbild Lacey Williams via Unsplash

 
 
Wer einen Online-Shop betreiben will, benötigt die Technik für Logistik und Zahlungsverkehr. Nach aussen soll das System aber so aussehen und funktionieren, dass es in das CI des Unternehmens und der Marke passt.
 
 

Ein Backend – viele Frontends

Nehmen wir als Beispiel mal an, Sie hätten eine Hotelkette. Dann würden Sie wahrscheinlich nicht wollen, dass jedes einzelne Haus ihrer Kette seine Getränke jeweils separat einkauft. Denn dann können Sie die Preise besser verhandeln. Gleichzeitig sollen die Häuser trotzdem individuell bestellen dürfen. Es gibt ja kleine und grosse Häuser in unterschiedlicher Lage, die einen unterschiedlichen Bedarf haben.
 
Das Problem: Sie betreiben eben eine Hotelkette, keinen Getränkehandel – und schon gar keinen Online-Shop. Und Sie haben auch nicht nur einen Anbieter für ihre Getränke, sondern möchten über den Shop Ihre Häuser auch noch mit weiteren Produkten versorgen. Ausserdem möchten Sie sich nicht mit der Logistik befassen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es zu teuer wäre.
 
Die Lösung: Sie finden jemanden der bereit ist, Ihnen all das abzunehmen und für Sie zu organisieren.
 
SwissDrink ist ein Schweizer Getränke Genossenschaft. In Zusammenarbeit mit DigitalDrink Schweiz versorgt das Unternehmen verschiedene Kunden auf B2B-Level. Dazu gehören Getränkehersteller, Grossküchen, Caterer und Bar-Betreiber.
 
 

SwissDrink – White Label B2B–Commerce läuft flüssig

Die White Label-Lösung von SwissDrink bietet jedem Mitgliedsunternehmen in der Genossenschaft einen Online-Shop mit genau den richtigen Inhalten, zu den passenden Preisen, in der idealen Verpackungsform. Jeder Mitarbeiter eines Mitgliedsunternehmens kann individuellen Zugang erhalten. Er muss für die Bestellung nicht die Unternehmensumgebung verlassen, auch wenn im Hintergrund die Bestellungen von verschiedenen Anbietern und Zulieferern abgewickelt werden. Durch den konkreten Einsatz der B2B Commerce-Lösung OroCommerce profitieren die Kunden bei SwissDrink von einer herausragenden Bedienfreundlichkeit, einer hochgradigen Personalisierung und einer effizienten Bestellabwicklung.
 
Durch individuelle Zugänge werden konkrete Kundenberechtigungen verwaltet:
Von vorausgewählten Produkten im Warenkorb bis zur Möglichkeit individueller Rechnungslegung. ©Diglin
 
 

Vorsprung durch Nichtstun

Vorteil für die Mitgliedsunternehmen: Sie können vollständig auf eine eigene Online-Shop-Entwicklung verzichten und verfügen trotzdem über ein für ihre Getränkebestellungen optimiertes, einfach zu bedienendes Bestellsystem. Konditionen, verfügbare Produkte und Gebinde-Formen lassen sich nicht nur für das jeweilige Mitgliedsunternehmen global festlegen, sondern können jedem Benutzer-Account individuell zugewiesen werden. 
 
So hätten grössere Häuser einer Hotelkette zum Beispiel ihren Standardbedarf bereits vorausgewählt im Bestellkorb – das beschleunigt den Bestellvorgang enorm.
 
Im Hintergrund kümmern sich DigitalDrink und SwissDrink um die technische Bereitstellung, die Administration und Rechnungslegung, Partnerschaften, Leistungserweiterung und selbst die Anpassung von Warengruppen.
 
Denn mit der Softwareprogrammierung und der Bestellabwicklung haben die Mitgliedsunternehmen in der Genossenschaft nichts zu tun. Sie profitieren von der Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software OroCommerce, die im Hintergrund eine einheitliche technische Lösung bereitstellt, aber im Vordergrund hochgradig individuell ausgespielt werden kann. Mit dem angenehmen Vorteil, dass die integrierten Lösungen potenziell auch allen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung stehen. Sie sind zudem automatisch auf dem technisch neuesten Stand
 
 

Die Buchhaltung bestellt mit

Durch die Möglichkeit individueller Rechnungslegung kann die interne Abrechnung den vorhandenen Geschäftsstrukturen der Mitgliedsunternehmen angepasst werden. Rechnungsadressen, Zahlungsabwicklung, Kostenstellen und Freigabe-Prozeduren können in allen Bestellschritten berücksichtigt werden. Auch der Ort der Bestellung spielt eine untergeordnete Rolle. Mitarbeiter können aus dem Lager oder vom Bierhof bestellen, das System funktioniert geräteübergreifend. So kann eine Bestellung im Weinkeller beginnen und am Schreibtisch beendet werden.
 
 

Das nützt White Label dem Anbieter

Die Vorteile einer solchen Lösung für die Mitgliedsunternehmen liegen auf der Hand: Sie müssen keine Shop- und Logistik-Struktur aufbauen, sparen sich den technischen Aufwand für sichere Zahlungsabwicklungen, arbeiten mit ihren eigenen Strukturen und verfügen über eine leicht bedienbare und effizient wirkende Lieferkette.
 
 

Und SwissDrink?

Natürlich ist die Entwicklung einer E-Commerce-Lösung dieser Komplexität keine Ein- Klick-Aufgabe. SwissDrink entwickelt mithilfe der E-Commerceagentur Diglin alle Funktionen genau einmal an genau einer Stelle. Danach können SwissDrink jedem ihrer Genossenschaftsmitglieder und auch jedem Dienstleister die passenden Zugänge bereitstellen.
 
 
Im Login-Bereich sehen die Kunden genau die Waren, die in Marke, Gebinde und Preisgefüge ihrem Unternehmen entsprechen. Die Bestellabwicklung kann – je nachdem, wer eingeloggt ist – von nichtveränderlichen Mengen bis zu individueller Rechnungsgestaltung reichen. Trotzdem wird alles aus nur einem Backend gesteuert. ©Diglin
 
 

Technisch easy?!

Wenn ein Kunde Produkte über die E-Commerce-Plattform bestellt, ruft SwissDrink die Bestellinformationen ab, um die Rechnungsstellung zu bearbeiten und die notwendigen Informationen an den Getränkehändler weiterzuleiten. Dieser übernimmt dann die Lieferung der Produkte an den Endkunden.
 
Die automatische Einbindung des E-Commerce-Systems von SwissDrink in die Logistik von den Getränkehändlern macht es möglich, dass auch die dahinter liegenden Organisationsstrukturen übergreifend genutzt werden können. Dazu gehören Zugewiesene Liefertermine für jeden Kunden, die es ermöglichen, die Liefertouren zu optimieren und macht somit die Bestellungen besser planbar.
 
Die Aufgabe von SwissDrink ist im konkreten Fall allerdings komplexer. Die zentrale Aufgabe ist hier das Handling zwischen verschiedenen ERP-Systemen (Multi-Input) und den unterschiedlichen Shop-Frontends (Multi-Output). Alles steht und fällt mit der genauen Bedürfnis abklärung des Kunden, der Wahl der richtigen Software und der perfekten Ausarbeitung und Implementierung. SwissDrink hat sich für OroCommerce entschieden, einer speziellen Open Source Software für B2B Commerce Anforderungen. Damit liess sich auch die Kombination mit einer eigenen Middleware-Lösung realisieren, welche die Prozesse zwischen verschiedenen vorhandenen Lösungen vermittelt.
 
 

Win-Win-Win?

White Label-Lösungen passen sehr gut für komplexe B2B-Szenarien. Sie sind für Unternehmen gut geeignet, die als Anbieter von Markenshops verschiedene Kunden mit unterschiedlichem CI, Produkten, Produktgruppen und Vertragsvereinbarungen beliefern oder als Muttergesellschaft selbst verschiedene Marken vertreiben.
 
Dieser Hintergrund gibt der Technologie eine weitreichende Bedeutung für die Entwicklung im B2B Commerce. Denn wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, besteht zwischen den verwendeten Mitteln für die Entwicklung und dem skalierbaren Nutzen eine grosse Lücke – Zeichen für die Effizienz der Mittel und damit auch den schnelleren ROI. Der Einsatz von hochadaptiver Open Source-Software vermindert zudem das Risiko von Entwicklungslücken und Abhängigkeiten von einzelnen Softwareherstellern.
 
 

Zum Hintergrund:

OroCommerce ist eine B2B-spezifische E-Commerce-Software auf Open Source-Basis. Sie ist technisch hochflexibel und aufgrund ihrer modularen Struktur in unterschiedlichsten Business-Anwendungsfällen einsetzbar. www.orocommerce.com
 
 
 

Der Autor

 

Sylvain Rayé ist Business Owner und Business Analyst bei Diglin. Er bringt seine 20-jährige Erfahrung in der Umsetzung von B2C und B2B eCommerce-Projekten bei Online-Händlern ein.
 
Dieser Beitrag wurde ermöglicht durch Diglin GmbH, einer Software-Entwicklungs- und Implementierungs-Agentur für Onlineshops. Sie setzt hauptsächlich agile Open-Source-Lösungen um, mit dem Ziel, ihren Kunden mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihres Online-Geschäftes zu ermöglichen. 
 
 

Dieser Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 22-2

 

 

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