Reihenfolgeplanung mit Sequencing: Wie Unternehmen stabile Abläufe in variantenreichen Produktionsumgebungen sichern

27.05.2026
3 Min.

Variantenvielfalt, kurzfristige Abrufe und enge Taktungen gehören in vielen Fertigungsunternehmen zum Alltag. Damit steigt die Bedeutung der Auftragsfolge. Sequencing hilft, Belastungsspitzen zu vermeiden, Zielkonflikte sichtbar zu machen und Produktionsabläufe auch unter dynamischen Bedingungen stabil zu halten.

 

Bild zVg von PSI (Quelle: iStock/Morsa)

 

Was ist Sequencing?

Sequencing beschreibt die gezielte Reihenfolgeplanung von Produktionsaufträgen. Steht fest, welche Aufträge grundsätzlich gefertigt werden sollen, beantwortet es die nächste, massgebliche Frage: In welcher Abfolge lassen sie sich am sinnvollsten durch die Produktion führen?

Ziel ist es, freigegebene Aufträge so anzuordnen, dass Kapazitäten, Linienregeln, Materialverfügbarkeit und aktuelle Lieferanforderungen zusammenpassen. Sequencing ergänzt damit die klassische Termin- und Kapazitätsplanung um eine operative Perspektive: Denn dieselbe Auftragsmenge kann je nach Reihenfolge sehr unterschiedliche Auswirkungen auf Auslastung, Materialfluss, Rüstaufwand und Termintreue haben. 

Warum bewirken Reihenfolgen so viel? 

In vielen Produktionsumgebungen treffen standardisierte Abläufe auf eine wachsende Variantenvielfalt. Besonders deutlich zeigt sich das in der Automobilindustrie, aber auch im Maschinenbau, bei Zulieferern oder in anderen Serienfertigungen mit hoher Produktdifferenzierung.

Produkte laufen zwar über dieselbe Linie, unterscheiden sich aber je nach Ausstattung, Bearbeitungsaufwand oder Prüfbedarf. Folgen mehrere aufwendige Varianten direkt aufeinander, können Belastungsspitzen entstehen. Kritisch ist dabei nicht nur der Gesamtaufwand eines Auftrags. Auch wiederkehrende Anforderungen an derselben Station können den Takt stören, etwa wenn mehrere Aufträge nacheinander zusätzliche Arbeitsschritte, manuelle Eingriffe oder besondere Prüfungen erfordern. 

Was macht eine gute Sequenz aus?

Eine tragfähige Sequenz bringt unterschiedliche Aspekte und Ziele zusammen. Sie zielt darauf ab, Termine zu sichern, die Auslastung entlang der Linie zu glätten, Rüstvorgänge zu begrenzen und Materialflüsse abzusichern. Gleichzeitig muss sie Regeln berücksichtigen, die aus der Produktion selbst entstehen – etwa Mindestabstände zwischen bestimmten Varianten, Vorgaben zur Linienbelastung oder Anforderungen aus Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Prozessen.

In der Praxis lassen sich diese Ziele nicht immer gleichzeitig optimal erfüllen. Wird z. B. ein Auftrag vorgezogen, kann das die Termintreue verbessern, aber den Rüstaufwand erhöhen. Wird die Belastung besonders gleichmässig verteilt, kann dies kurzfristige Flexibilität einschränken. Sequencing bedeutet also immer auch, Zielkonflikte sichtbar zu machen und bewusst zu steuern.

Wie entsteht eine gute Auftragsfolge?

Damit Sequencing zuverlässig funktioniert, reicht der Blick auf einzelne Aufträge folglich nicht aus. Die Planung muss vielmehr erkennen, wie Variantenmerkmale, Kapazitäten, Linienregeln, Materialverfügbarkeit und Rückmeldungen aus der Fertigung zusammenwirken. Je höher die Variantenvielfalt ist und je kurzfristiger Änderungen eintreffen, desto schwieriger wird es zudem, diese Zusammenhänge zu erkennen und manuell zu bewerten.

Moderne ERP- und MES-Systeme schaffen dafür eine verlässliche Datengrundlage. Während das ERP-System zentrale Informationen zu Aufträgen, Terminen oder Material bereitstellt, bildet das MES die operative Produktionsrealität näher am Shopfloor ab. Für die Reihenfolgeplanung ist dieses Zusammenspiel besonders wichtig. Erst durch die Verbindung von Planungsdaten, Fertigungsrückmeldungen und aktuellen Restriktionen lassen sich unterschiedliche Auftragsfolgen fundiert bewerten.

An dieser Stelle setzt ein Modul wie z. B. PSIpenta/MES Sequencing an. Es bildet die Reihenfolgeplanung regelbasiert ab und startet mit einem konsolidierten Auftragspool. Darin werden freigegebene Aufträge, Abrufe, Prioritäten und relevante Merkmale zusammengeführt. Auf dieser Basis entsteht zunächst ein ausgewogener Auftragsmix, der Restriktionen berücksichtigt und Belastungen möglichst gleichmässig verteilt. Erst danach wird die konkrete Sequenz für einzelne Linien oder Segmente abgeleitet. Dieses mehrstufige Vorgehen verhindert, dass einzelne Aufträge isoliert priorisiert werden. Stattdessen bleibt die Gesamtwirkung auf das Produktionssystem im Blick: Wie verändert eine Reihenfolge die Belastung einzelner Stationen? Welche Termine sind betroffen? Welche Regeln müssen eingehalten werden? Und wo entstehen mögliche Engpässe? 

Warum ist Reihenfolgeplanung eine laufende Aufgabe?

Eine berechnete Auftragsfolge ist immer eine Momentaufnahme. In der Produktion können neue Abrufe eintreffen, Material verzögert bereitstehen, Kapazitäten können kurzfristig ausfallen oder Rückmeldungen aus der Fertigung eine Anpassung erforderlich machen. Sequencing muss deshalb nicht nur eine passende Reihenfolge erzeugen, sondern auch dabei unterstützen, diese bei Bedarf weiterzuentwickeln.

Hier ist wiederum wichtig, die Änderungen nicht isoliert zu betrachten. Wird ein Auftrag verschoben, kann sich das auf nachfolgende Aufträge, Linienbelastung, Liefertermine oder Materialbereitstellung auswirken. Eine gute Reihenfolgeplanung macht solche Folgen nachvollziehbar und hilft, innerhalb definierter Regeln neu zu gewichten: Was muss priorisiert werden? An welcher Stelle ist ein Eingriff sinnvoll?

Optimierungsverfahren und KI können diese Bewertung unterstützen, indem sie Alternativen vergleichen und Zielkonflikte transparent machen. Die Entscheidung bleibt jedoch bei den Planungsverantwortlichen. Sie verbinden Systemvorschläge mit Erfahrung und Prozesswissen und sorgen dafür, dass die Auftragsfolge auch unter veränderten Bedingungen tragfähig bleibt. 

Fazit: Kleine Abfolge, grosse Wirkung

Die Reihenfolge einzelner Aufträge hat grossen Einfluss darauf, wie stabil die Produktion im Alltag funktioniert. Eine tragfähige Auftragsfolge entsteht aus dem Zusammenspiel von Regeln, Daten und planerischer Erfahrung. Sequencing hilft Unternehmen, diese Zusammenhänge zu erkennen, systematisch zu bewerten und auch bei kurzfristigen Änderungen handlungsfähig zu sein.

 

Der Autor

Mathias Zimmermann ist Teamleiter Beratung bei PSI

 

 

PSI AG Schweiz | 9500 Wil | www.psi.de

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