Meine erste Fahrt in einem selbstfahrenden Roboter-Taxi – ein Erfahrungsbericht

Am 9. Januar 2022 hatte ich ein unglaubliches Erlebnis: Ich durfte meine erste Fahrt in einem autonom fahrenden Auto machen. Was heute noch gewöhnungsbedürftig ist, wird in einigen Jahren Normalität sein. 
 
Robotaxi von Waymo. Quelle: Waymo
 
 
Die Zeit vom 3. bis 8. Januar verbrachte ich in Las Vegas an der grössten Techmesse der Welt, der Consumer Electronic Show (CES). Am 9. Januar 2022 habe ich auf der Rückreise von Las Vegas nach Zürich einen Stop in Phoenix Arizona eingelegt. Dort habe ich eine Taxifahrt ohne Taxifahrer gebucht. 
 
Es war schon lange mein Wunsch, endlich in einem selbstfahrenden Auto mitfahren zu können. Ich habe die Aktivitäten von Waymo schon lange mitverfolgt und auch in meinem Buch «Übermorgen» beschrieben. Waymo gehört zum Google-Konzern Alphabet und ist aus dem «self-driving car project» hervorgegangen, das 2009 gestartet worden ist. Damals hat man sich gefragt, wieso eine Suchmaschine Autos baue. Heute gehört Waymo zu den führenden Unternehmen, die sich auf autonomes Fahren spezialisiert haben. 
 
Um den Service nutzen zu können, muss man eine App installieren, die ungefähr gleich wie die von Uber funktioniert. Doch konnte ich die App weder hier noch in den USA herunterladen, auch nicht im Aktionsradius der Waymo-Flotte. 
 
So wandte ich mich an Caleb, den Mitarbeiter an der Hotelrezeption. Er hatte gerade Feierabend und hat seine Hilfe spontan angeboten. Er konnte die App installieren, weil er in der Gegend wohnt. So konnten wir die zwei Fahrten durchführen, mein Tag war gerettet.
 
Man gibt in der App nur das Ziel an, diese weiss aufgrund der Geoposition, wo man sich befindet. Die voraussichtliche Ankunftszeit des Taxis wird dann angezeigt. Wenn das Auto vorfährt, dann ist es doch gewöhnungsbedürftig, weil kein Fahrer hinter dem Steuerrad sitzt. Man steigt also ein und wird von einer weiblichen Stimme begrüsst. Sie erklärt auch, dass kein Fahrer vorne sitzt und wie man sich in einem Notfall zu verhalten habe.
 
Für mich war es eines der besten Erlebnisse meines Lebens. Ich fand das einfach unglaublich. Doch in einigen Jahren wird das Normalität sein und kein Hahn wird danach krähen. 
 
Damit ich hier nicht die ganze Fahrt in Text beschreiben muss, habe ich sie aufgezeichnet und kommentiert. Es lohnt sich, sich die ganze zehnminütige Fahrt anzusehen. 
 

Die Kommentare in den Social Media waren überwältigend, als ich dort das Video publiziert hatte. Einige liessen sich von meiner Begeisterung anstecken, andere waren höflich verhalten.
 
Es gab kaum kritische Kommentare, wie «wozu brauchen wir das?» Doch möchte ich diese nicht gestellte Frage im nächsten Abschnitt beantworten und gebe hierzu meine persönliche Vision der Mobilität der Zukunft.
 

Meine Vision für die Mobilität der Zukunft

Stellen Sie sich mal vor, es gäbe nur noch selbstfahrende Autos, ohne Ausnahme. Lenkräder gäbe es ebenso nicht mehr. Was bedeutete das für die Mobilität?
 
Es braucht dann keine Busse, Trams oder Taxis mehr. Anstelle dieser Verkehrsträger gibt es nur noch autonom fahrende Fahrzeuge. Die künstliche Intelligenz (KI) lenkt den ganzen Verkehr. Die Fahrgäste müssen der Cloud nur den Bestimmungsort mitteilen. Smartphones gibt es dann nicht mehr, man nutzt eine Brille, ein Headset, ein Hörgerät oder eine Linse im Auge. In der Cloud können alle benötigten Funktionen abgerufen werden. 
 
Man teilt der omnipräsenten Cloud den Zielort mit und erfährt gleich, wann ein emissionsarmes Fahrzeug eintreffen wird. Je nach Tageszeit gelangt ein geeignetes Auto zum Einsatz, entweder ein Kleinbus oder bei privaten Fahrten ein Ein- oder Zweiplätzer. Die KI steuert das Fahrzeug auf einer Route, wo weitere Fahrgäste zusteigen können. Die Fahrtkosten werden dann kontaktlos vom digitalen Wallet abgebucht. 
 
Möchte eine Person lieber allein im Auto sitzen, dann ist das möglich, kostet dann einfach mehr. Und wenn es ganz schnell gehen muss, dann kommt eine Taxi-Drohne zum Einsatz - die teuerste Variante.
 
Staus gehören der Vergangenheit an, da die KI für flüssigen Verkehr sorgt. Warentransporte und Paketdienste werden durch entsprechende Fahrzeuge in frequenzschwachen Zeiten ausgeführt. 
 
Unsere Nachfahren werden uns einmal belächeln, wenn Sie Bilder von Autofahrern, Staus und Smog sehen. Das wird alles glücklicherweise einmal der Vergangenheit angehören.
 

 

Der Autor

 
Jörg Eugster ist "Der Zukunftsbotschafter". 

www.eugster.info