Kurzgeschichten aus dem Jahr 2050 – Episode 2: XR, Avatare, Hologramme

Jörg Eugster ist «Der Zukunftsbotschafter®». Er berichtet in seiner Kolumne regelmässig aus dem Jahr 2050, wie sich die Technologien und Lebensweisen entwickelt haben. In dieser Kurzgeschichte geht es um die Extended Reality (XR).
 
 
Jörg Eugster (Bild: Lindholm Fotografie)
 
 
Opa ist auf der Suche nach seiner Enkelin. «Hallo!» ruft er. Keine Antwort. «Halloooo Lena!» 
 
Lena erhebt sich gerade aus einer Liegeposition: «Ja Opa, was gibt’s denn?» 
 
«Wo warst du gerade?» 
 
«Ach, ich war gerade an einem ABBA-Konzert?» 
 
«Wie bitte? Die sind doch schon lange tot. Das war die Kultband der 1970er-Jahre.» 
 
«Ja, ich weiss. Sie ist heute wieder Kult.» 
 
«Hast du dir ein Konzert von früher angesehen?» 
 
«Nein, die haben ja ganz neue Songs.» 
 
«Du, das haut mich jetzt wirklich vom Hocker. Wie das denn?»
 
Lena antwortet: «Nun, ABBA kam ja leider nie mehr zusammen, weil ein Mitglied das partout verweigert hatte. Da hat man mit künstlicher Intelligenz und Hologrammen etwas nachgeholfen. Dank KI kann man die Stimmfarbe jedes Menschen nachbilden, wir können neue Songs komponieren, die so klingen, als wären sie von der Gruppe selbst komponiert worden. Und die neuen Songs sind einfach mega. Und sie werden von den Hologrammen der Original-Bandmitglieder performt.» 
 
Opa: «Wie bist du aber beim Konzert gewesen?» 
 
«Heute können wir über XR, also eXtended Reality, daran teilnehmen. Es sieht so aus, als wären wir vor Ort. Doch geht mein VR-Transformer noch wesentlich weiter. Du erinnerst dich bestimmt, dass ich dir erzählt habe, dass ich kürzlich den Transformer für 1000 LT gekauft habe.» 
 
«Ja richtig. Und wie geht das?» 
 
«Ganz einfach. Ich lege mich hin, ziehe mir den VR-Transformer über und schon bin ich mit meinem Avatar mitten im Geschehen. Es ist so, wie wenn ich dort wäre. Ich kann mich auch nicht anstecken. Nach den Corona-Pandemien sind wir alle vorsichtiger geworden und haben uns virtuelle Welten als Ersatz geschaffen. Nun können wir an Anlässen ohne Masken und Abstandsregeln uneingeschränkt teilnehmen.» 
 
«Wow, darf ich auch einmal teilnehmen, Lena?» 
 
«Klar, Opa. Doch musst du zuerst ein XR-Trainingsprogramm durchlaufen, sonst wird dir während der Aufführung übel. Das geht aber den meisten so und geht auch wieder vorbei.»
 
«Diese Technologien wie XR, Avatare und Hologramme nutzen wir nicht nur für Konzerte, sondern auch für Meetings, Schulungen, Trainings etc. Wir müssen nicht mehr reisen und können trotzdem teilnehmen. Das nützt letztlich auch der Umwelt.» 
 
«Also Lena, du machst mich schon neugierig. Seit ich pensioniert bin, habe ich von diesen Dingen nicht mehr so viel mitbekommen. Ich wollte mich dem Digitalisierungswahn der letzten Jahre etwas entziehen.» –
 
«Ach komm Opa. Das sind doch alles sehr sinnvolle Entwicklungen, nicht wahr?» 
 
«Klar doch. Bitte spann mich nicht auf die Folter. Ich möchte endlich wieder ABBA mit den neuen Songs sehen und hören.» 
 
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