Zusammenarbeit im Team ist nicht immer konfliktfrei, das Verhalten mancher Personen im Arbeitsumfeld kann dabei etwas schwierig sein. Doch was haben Choleriker, Drama-Queen, Besserwisser und Micromanager gemeinsam? Sie stellen ihr Team mit ihrem Verhalten im Alltag vor Herausforderungen.

Symbolbild von Alexa via Pixabay
Wir alle kennen sie, die Kotzbrocken, die sich im Job einfach nicht vermeiden lassen. Menschen, die unsere Arbeit erschweren, ausbremsen oder sogar destruktiv wirken. Der Kollege, der immer alles besser weiss. Die Führungskraft, die jede Entscheidung kontrollieren will. Die passive Aggression in Meetings, die niemand anspricht, aber alle spüren.
Doch was, wenn wir aufhören, Menschen in Schubladen zu stecken, und stattdessen anfangen, Verhalten als Ausdruck eines Bedürfnisses oder eines inneren Mechanismus zu verstehen? In meinem Podcast-Interview mit Nicole Läbe habe ich darüber gesprochen, wie wir in genau solchen Situationen handlungsfähig bleiben. Klarheit und Haltung statt Zynismus und Drama. Scanne den entsprechenden QR Code für das Video zur Podcast-Folge.
Sprache formt Realität
Denn solche Labels beeinflussen in erster Linie uns selbst. Daher habe ich gleich zu Beginn des Podcast vorgeschlagen, solche Kraftausdrücke zu streichen oder – noch besser – zu ersetzen. Welchen Ersatz du für dich wählst, kannst du dir selbst überlegen oder gerne auch meinen Vorschlag übernehmen – denn in solchen Situationen funktioniert Humor für mich am besten. Deshalb nenne ich Menschen, die andere zur Weissglut treiben, Energie rauben oder blockieren, einfach «Schlumpfeldumpfel» – eine liebevolle Neutralisierung durch Humor.
Diese Idee folgt der Sapir-Whorf-Hypothese, die besagt, dass die Sprache unser Denken und Handeln beeinflusst. Denn, indem wir anderen solche Labels aufdrücken, verspielen wir die Chance, echtes Verständnis und Veränderung zu ermöglichen. Heute arbeite ich am liebsten mit Teams, die Unterstützung im Umgang mit ihren Schlumpfeldumpfel-Mitarbeitenden brauchen. Ich nehme dich daher mit auf eine Reise durch meine eigenen Schlumpfeldumpfel-Erfahrungen und teile Werkzeuge und Erkenntnisse – inklusive einiger Lieblingsmethoden und Denkanstösse für den Umgang mit diesen Schlumpfeldumpfeln.
Ja, auch mir fällt es schwer, aber wenn es nicht schwer wäre…
Denn seien wir ehrlich: Ich hatte definitiv diese Manager und Kollegen, die sich für die Schlumpfeldumpfel-Kategorie qualifizierten. Da gab es Meetings mit Brüllalarm, Kritik, die nicht nur unter die Gürtellinie, sondern direkt ins Herz stach, und Schimpfwörtern als Grundausstattung. Kelly Clarkson kann ihr Argument noch so oft trällern und ich beherzt mitsingen, trotzdem finde ich nicht, dass «what doesn’t kill you makes you stronger» ein starkes Argument für diese Schlumpfeldumpfel ist.
Hier liegt das Problem: Ich kann diese Schlumpfeldumpfel nicht ändern – auch wenn ich heute solchen Schlumpfeldumpfeln durchaus dabei helfen kann, sich zu verändern und an sich zu arbeiten. Deshalb gilt es, bei deinem Schlumpfeldumpfel-Problem dort anzusetzen, wo Einfluss möglich ist: bei dir selbst. Denn solche Bezeichnungen wie «Kotzbrocken» bringen dich nicht weiter – im Gegenteil, sie machen dir das Leben mit der Person sogar noch schwerer. Hast du den Kotzbrocken einmal als solchen abgestempelt, wird dein Gehirn – danke Bestätigungsbias – genau das nur noch sehen, und damit schadest du deinem Wohlbefinden. Wenn du nur noch das Störende siehst, verlierst du jeden Zugang zu Lösung, Beziehung und deiner Entwicklung. Das ist lästig – denn so bleibst du vielleicht sogar an deinem Schlumpfeldumpfel hängen!
Verhalten ist nicht gleich Persönlichkeit
An dieser Stelle setzt auch der Mindset-Shift an: Verhalten ist nicht gleich Charakter. Oder wie Marshall Rosenberg es ausdrückt: «Das Verhalten einer Person ist problematisch, nicht der Mensch.» Dabei ist ein zentraler Lernmoment, dass Verhalten immer kontextabhängig ist, und nicht die Identität widerspiegelt. Wenn man diesen Satz ernst nimmt, wird aus dem «Kotzbrocken» ein Signal. Ein Signal für Klarheit, Empathie, Abgrenzung oder Struktur. Schwieriges Verhalten gilt es als etwas Vorübergehendes und Kontextbezogenes zu betrachten. Diese Einstellung hilft, nicht im Problem mit der Person stecken zu bleiben, sondern sich zu fragen: «Was wird hier gerade gebraucht?» oder «Was passiert gerade mit dieser Person, dass sie so reagiert?» So öffnet sich der Raum für Entwicklung und diese Haltung verändert alles.
Wenn Glacé, die beste Freundin und die Wüste eine Lösung bereiteten
Ich erinnere mich an eine jener lauen Wüstennächte: Ich sprach mit meiner Freundin, hatte einen Riesenbecher Glacé in der Hand und eine volle Einkaufstüte von Patrizia Pepe neben mir. Zornig schimpfte ich über einen Kollegen, der mir die Leitung der Personalentwicklung schwer machte, weil er politische Spielchen spielte, die ich nicht verstand. Sie sagte: «Melissa, wir drehen uns hier im Kreis. Lass uns überlegen, wie du den Typen für dich in den Griff kriegst.» Das Schlüsselwort war «für dich».
Denn ich hatte ein Problem mit seiner Ethik – er belog den Personalleiter, schmeichelte sich beim Board ein, schwärzte die Führungsriege an und wollte vor allem in meinem Bereich mitmischen. «Für dich in den Griff zu kriegen» bedeutete, meine Grenze zu ziehen – bis wohin ich bereit war zu gehen. Zu lernen, dass seine Ethik oder sein Verhalten nicht mein Problem sind - und seine Angriffe mich nicht treffen müssen. Diese Frage löste also etwas in mir aus. Denn klar: Wir dürfen uns bei der besten Freundin mit einem übergrossen Eisbecher in der Hand entladen. Aber dann sollten wir auch in die Handlung kommen, und für mich bedeutete das, mich auf mich und mein Verhalten ihm gegenüber zu fokussieren.
Konkrete Handlungsaufforderung mit Schlumpfeldumpfeln
Wenn der Eisbecher oder die beste Freundin nicht greifbar sind, dann lade ich dich ein, die Schlumpfeldumpfel bewusst bei den Hörnern zu packen. Dabei kannst du wie auch ich es getan habe, erst einmal darüber reflektieren, welche Schlumpfeldumpfel-Verhaltensweisen dein Blut in Wallung bringen. Folge dafür folgendem Gedankengang:
- Denk an eine Situation, in der du dich getriggert gefühlt hast.
- Frag dich ehrlich:
a) Was hat mich so aufgeregt – und warum?
b) Was war das Bedürfnis meines Gegenübers und kann ich das nachempfinden?
c) Worin stimmen wir überein?
- Finde für das nächste Mal einen alternativen Ansatz. Wie kannst du souverän reagieren? Wer ist jemand, die mit Schlumpfeldumpfel neutral interagiert? Was kannst du dir von dieser Person abschauen?
Grundsätzlich gilt aus meiner Erfahrung, dass Schlumpfeldumpfel sich ändern, wenn sie wollen. Das kannst du einfach nicht unter deine Kontrolle bringen und bist wahrscheinlich auch die falsche Person für einen Veränderungsprozess des Schlumpfeldumpfels.
Daher halte ich es für eine schöne Sache zu wissen: Ich kann die Interaktion mit Schlumpfeldumpfeln aus meiner Perspektive kontrollieren, indem ich meine Reaktion anpasse. Sich diese bewusste Selbstführung anzutrainieren, ist der erste Schritt für mehr Leichtigkeit.
Und wenn du ein paar weitere Strategien kennenlernen möchtest, dann schau in den zweiten Teil über das Arbeiten mit Schlumpfeldumpfel rein.
Das Schlumpfeldumpfel-Universum navigieren
Podcast Nicole Läbe und Melissa Schlimm
Die Autorin
Melissa Schlimm ist Personalentwicklerin und Buchautorin. Sie sieht es als Chance, Talent und Können zum Wohle der Organisation und deren Mitarbeitenden sichtbar zu machen – nichts dem Zufall zu überlassen. Dank internationaler und interkultureller Erfahrung fördert sie Potenziale und stärkt Individuen sowie Teams in Kommunikation und Zusammenarbeit. Lediglich ihr Name ist dabei nicht Teil ihres Programms. Denn wo Schlimm drauf steht, kommt meist Gutes bei raus.
www.ameliorate.ch
Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 25-4
Das Schweizer Fachmagazin für Digitales Business kostenlos abonnieren
Abonnieren Sie das topsoft Fachmagazin kostenlos. 4 x im Jahr in Ihrem Briefkasten.