Flutter – die nächste Generation von mobilen Unternehmensanwendungen

Die Gurus der mobilen App-Entwicklung sind sich einig: Flutter ist die Zukunft der Softwarebranche und ein König der Cross-Plattform. Aber ermöglicht es auch anspruchsvolle Unternehmenslösungen? Flutter gibt es seit 2018, es wird monatlich von 500’000 Entwicklern genutzt und geniesste eine stabile Unterstützung von Google – es scheint der richtige Kandidat für diese Aufgabe zu sein. In der Tat kann Flutter eine Vielzahl von Anwendungen für jede Geschäfts-Nische erstellen. 
 
 
 
 
Per Ende 2021 hat sich die Zahl der Flutter-Apps auf Google Play im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (von 50’000 auf 90’000), was die enorme Beliebtheit der Technologie beweist. Jüngste Erhebungen zeigen, dass die Technologie weltweit von 42 % der Entwickler aus verschiedenen Branchen genutzt wird – Tendenz steigend. 
 
 

Ist Flutter der einzige Big Player da draussen?

Obwohl der schärfste Konkurrent von Flutter, React Native von Facebook, 38 % des Marktanteils hält, hat er begonnen, den Vorsprung zugunsten seines jüngeren Rivalen zu verlieren. Google hat sein Bestes getan, um seine Technologie leicht erlernbar zu machen.
 
Die Anteile der nächsten Plätze waren deutlich niedriger – Cordova und Ionic erreichten 16 %, Xamarin und Unity 11 %. Der Rest der plattformübergreifenden Frameworks überschritt nicht die Schwelle von 10 % der Nutzer. 
 
 

Flutter kurzgefasst

Flutter ist ein junges und schnell wachsendes, plattformübergreifendes Open-Source-Framework für die Entwicklung von User Interface (UI) Software mit einer breiten Palette von Funktionen, die nicht nur für Mobilgeräte, sondern auch für Web und Desktop geeignet sind. Es ist in der client-optimierten Sprache Dart kodiert, die eine hohe Produktivität für die Multiplattform-Entwicklung bietet und seine Engine, Skia, ist in C und C++ geschrieben. Flutter ist nicht nur ein wichtiges Software Development Kit (SDK), sondern bietet auch eine Reihe von wiederverwendbaren UI-Elementen, die eine reibungslose Designanpassung in einer entwickelten App ermöglichen. 
 
 

Technische Vorteile – ein Blick auf die Details

Die von Flutter angebotene mehrschichtige Architektur ist ein Muss, wenn es um die Entwicklung einer Unternehmensanwendung geht. Sie macht die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Entwicklungsteams reibungslos und produktiv. Die Lösung ermöglicht es ausserdem, sichere Netzwerk-Gateways zu im Web gehosteten Ressourcen zu erhalten.
 
Flutter ist eine gute Wahl bei der Suche nach einer komfortablen Entwicklungsumgebung. Es lässt sich in Visual Studio Code und Android Studio/Intellij integrieren. Basierend auf der Sprache Dart macht Flutter eine App leicht skalierbar und die Möglichkeit des Refactorings in Flutter-Dart-Pakete ermöglicht eine nahtlose Arbeitsteilung zwischen grossen Teams. Jedes Widget kann einfach getestet werden, was Fehler vermeidet.
 
Der Erfolg einer Unternehmens-App hängt jedoch nicht nur von der Architektur ab, sondern auch von einer anpassbaren und Mobile First User Interface. Daher bietet Flutter ein umfassendes Set an Wiedergaben von Android und iOS. Um die Benutzeroberfläche einer App angenehm zu gestalten, ermöglicht das Framework die Anwendung von Animationen, Seitenübergängen und unendlichem Scrollen und bietet eine Bildverwaltung sowie einen Zugriff auf Google und Apple Maps. 
 
Auch gängige Hardwarefunktionen werden unterstützt. Flutter ermöglicht den Zugriff auf Geräte wie Kamera, Beschleunigungsmesser, GPS, biometrische Authentifizierung, Near Field Communication (NFC) und Mikrofon. 
 
Auch Sicherheit wird gross geschrieben: Jede Flutter-App verfügt über inhärente Sicherheitsaspekte für natives iOS und Android, und das Simple Authentication Frameworks erfüllt die wichtigsten Anforderungen wie z. B. Biometrie oder zweistufiges Passwort. 
 
Der letzte technische Punkt befasst sich mit der Reaktionsfähigkeit von Flutter: Sein Ebenensystem erleichtert das Schreiben und Anpassen der Ansichten an verschiedene Bildschirmgrössen.
 
 

Geschäftsvorteile – all the nitty-gritty 

Es ist bekannt, dass die Veröffentlichung einer App erst der Anfang der Arbeit ist. In dieser letzten Phase ist eine leistungsstarke Wartung erforderlich, die sogar noch aufwendiger sein kann als die Erstellung des Produkts selbst. Glücklicherweise ermöglicht Flutter eine schnelle Fehlerbehebung und das Hinzufügen neuer Funktionen. Dank der Geschwindigkeit ist Flutter in der plattformübergreifenden App-Entwicklung geeignet, die Markteinführungszeit («time-to-market») zu verkürzen und eine schnelle Produktfreigabe zu ermöglichen. 
 
Geld bewegt die Welt, aber wenn kein Vermögen für eine Unternehmens-App nötig ist, ist es besser, die Kosten zu senken. Bei Flutter braucht es keine zwei Teams von Entwicklern für iOS und Android. 
 
Muss neuer Code in bestehende Plattformen oder Anwendungen eingeführt werden, ist Flutter flexibel genug, um eine einfache Einbettung zu ermöglichen. Die gleiche Codebasis für Android und iOS ermöglicht die gleichzeitige Veröffentlichung von Anwendungsupdates. Das ist schwer oder manchmal unmöglich, wenn man zwei separate Projekte für die Plattformen hat.
 
Flutter ist ein bekanntes Tool für die Entwicklung von Internet of Things (IoT)-Apps. Obwohl es keine eingebaute Unterstützung für Bluetooth hat, können Entwickler ein Plugin eines Drittanbieters und eine Bluetooth-Application-Programming-Interface (API) wählen.
 

Welche beliebten Apps verwenden Flutter und warum?

Da das Framework von Google entwickelt wurde, dürfte der Internetriese es regelmässig verwenden. Die besten Beispiele dafür sind die Google Ads Mobile-App oder Google Pay.
 
Xianyu, die zweitgrösste Einzelhandelsplattform der Alibaba Group, hat eine auf Flutter basierende Anwendung entwickelt, die bereits über 50 Millionen Mal heruntergeladen wurde! Das Alibaba-Team implementierte die Flutter-Funktionen langsam in eine existierende App. So konnten sie schneller arbeiten und eine fehlerfreie Software liefern.
 
Ein weiteres Unternehmen, das sich für die Integration von Flutter in die bestehende Lösung entschied, war Groupon. Es nutzte dabei eine vorgefertigte Anwendung, um die notwendigen Änderungen einzuführen. 
 
eBay nutzte Flutter für die Entwicklung eines seiner Produkte namens eBay Motors. Die App ermöglicht es den Nutzern, auf dem Smartphone Fahrzeuge zu verkaufen und zu kaufen, Angebote zu durchsuchen und Anzeigen aufzugeben. Das Unternehmen hatte nur ein Jahr Zeit, um mit der Lösung auf den Markt zu kommen, und wollte, dass die App eine positive Nutzererfahrung bietet. Deshalb entschied man sich für die Entwicklung mit Flutter - es war schnell und garantierte eine optimale Benutzeroberfläche. 
 
 

Abschliessende Überlegungen und mögliche Schwachstellen

Es gibt keine perfekten Lösungen und auch Flutter hat seine Schwachstellen. Zunächst einmal kann die Grösse der entwickelten Apps ein Problem darstellen. Nicht alle Geräte der Nutzer sind auf die Speicherung einer zusätzlichen grossen Datei vorbereitet. Andererseits ermöglicht eine grössere Datei eine bessere Leistung. 
 
Zweitens: Da Flutter von Google entwickelt wird, machen sich einige Entwickler Sorgen über die Implementierung für iOS. Und tatsächlich wird nicht jedes User Interface (UI)-Feature auf iOS so schnell eingeführt wie auf Android. 
 
Drittens hat auch Dart seine Nachteile. Im Vergleich zu Sprachen der neuen Generation wie Kotlin, Swift oder Rust weist es Defizite auf, da es für Entwickler nicht so intuitiv zu verstehen ist. Hoffentlich arbeitet Google daran, die Erfahrung zu verbessern, so dass sich dies schon bald ändern könnte.
 
Bei all dem sollten Sie bedenken, dass Flutter noch recht jung ist – es hat noch viel Raum, um zu wachsen, zu expandieren und besser zu werden. Dennoch ist es bereits eine stabile und leistungsstarke Lösung, die sich für mobile Unternehmensanwendungen eignet und eine Überlegung wert ist.
 
 
 

Die Autorin

Agata Marty ist Country Manager bei iteo Schweiz GmbH, einem international tätigen Technologieberatungs- und Softwareentwicklungsunternehmen. Ihre Aufgabe ist es, Unternehmen in den Prozess der Digitalisierung einzuführen, einschliesslich des gesamten digitalen Produktentwicklungszyklus von der Konzeption und Idealisierung bis zur Markteinführung und dem Produktwachstum. Sie engagiert sich aktiv in verschiedenen Initiativen zur Förderung von Digitalisierung und Innovation in unterschiedlichen Branchen.
 
 
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit
 
 
 
 

Dieser Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 22-2

 

 

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