Digitale Transformation in der Praxis: Schritt #1 – Die Vogelperspektive

Digitalisierung geht in vielen Unternehmen ans Eingemachte. Es Ist Knochenarbeit. Aber wenn das Skelett mal steht, ist der Muskelaufbau drumherum viel einfacher und Sie setzen kein Geld in den Sand. Die Investition soll schliesslich nicht nur Prozesse digitalisieren, sondern das Unternehmen bereits in der Gegenwart weiterbringen und in der digitalen Welt neue Geschäftsfelder eröffnen. 
 
 
 
 

Die Suche nach dem neuen, grossen Business

Wenn Sie mit Digitalisierung wirklich mehr Business generieren und nicht einfach mit neuer Software Prozesse elektronisch abbilden wollen, dann gehen Sie von Anfang an zur Sache – zum Kern. Dahin, wo Sie bereits aktuell am meisten Umsatz und Gewinn generieren, wo Sie mit hohem Aufwand zu wenig Ertrag erwirtschaften, wo Sie zu aufwendige Prozesse ausmachen oder wo Sie noch mehr herausholen wollen. Sie werden erstaunt sein, wie viel Ideen und Möglichkeiten sich ergeben, wenn Sie diese Bereiche aus einer anderen Perspektive betrachten. Und keine Angst, wenn Sie monolithische Systeme im Einsatz haben. Wer weiss: Vielleicht finden Sie einen Hidden Champion, der sich perfekt für den ersten Digitalisierungsschritt eignet und Sie auf ungeahnten Wegen zu neuen Businessmodellen führt. Doch dazu später in unserer Blogreihe «Digitale Transformation: Schritt für Schritt». 
 
 

Neuer Denkansatz 

Je nach Industriezweig laufen vermutlich schon einige Prozesse elektronisch ab. Ob in der Planung, der Produktion oder der Fertigung. Vielleicht sind auch schon Verkaufsprozesse oder Teile des Marketings digitalisiert und „modernisiert“. Umso besser. Doch lassen sie diese mal ausser Acht und versuchen Sie, einen anderen, offenen Denkansatz zu nutzen. Weg von den Prozessen, hin zum Ganzen. Die Prozesse folgen, wenn die Ideen konkrete Form annehmen und in die Umsetzung neuer oder modernisierter, digitaler Geschäftsmodelle «migrieren». 
 
 

Vogelperspektive einnehmen

Werfen Sie auch die technologischen Aspekte sowie Fachausdrücke wie User Experience, Internet of Things, Disruption etc. am Anfang einfach mal über Bord. Genauso wie Hype Lösungen à la Chatbot & Co. Sie kommen noch früh genug ins Spiel und sind je nach Begriff für Ihr Weiterkommen nur beschränkt oder gar nicht relevant. Denken Sie daran: Nicht die IT gibt den Ton an, sondern das Business. Eine elementare Grundvoraussetzung, wenn Sie mit der Digitalisierung wirklich mehr Erfolg generieren wollen. 
 
Verhalten Sie sich wie ein Adler. Scannen Sie Ihr Unternehmen von der Vogelperspektive aus und fokussieren Sie eine Beute, die Ihrem Unternehmen mehr Erfolg und Kundenbindung bringt. Die Beute ist hier der Bereich, mit dem Sie am meisten Umsatz oder Gewinn generieren und in Ihrem Hauptgeschäftszweig die grösste Relevanz hat. Oder aber, wie eingangs erwähnt, der Bereich im Kerngeschäft, der am meisten Aufwand mit zu kleinem Ertrag verursacht. Nehmen Sie also die Vogelperspektive ein und betrachten Sie Ihr Unternehmen als Ganzes. Mit allen Abteilungen, Produkten oder Dienstleistungen. Ein altbewährtes Blatt Papier oder ein digitales Pinboard leisten auch in diesem Fall wertvolle Dienste. Skizzieren Sie einfach auf und starten Sie mit Neugierde und einer Portion Geduld. Welche Produkte und/oder Dienstleistungen bietet Ihr Unternehmen an? Wie sind sie prozessual miteinander verknüpft? Auf welchen Wegen und mit welchem administrativen Tätigkeiten und Aktionen gelangen sie zum Kunden?
 
Nehmen Sie sich Zeit und ergänzen Sie immer wieder, bis Sie von Ihrem Resultat selbst überzeugt sind.
 
 
Adlerblick auf das Unternehmen (Quelle: swissbrain, ag, 2022)

Adlerblick auf das Unternehmen, die Produkte, die Dienstleistungen & Distribution (Quelle: swissbrain ag)
 
 

Keine Nebensache

Den Kopf frei machen und von der Vogelperspektive auf das Unternehmen zu schauen, hilft auch, mögliche Betriebsblindheit auszuschalten oder zumindest abzuschwächen. Gehen Sie die Aufgabe so neutral wie möglich an oder suchen Sie einen Sparring Partner, der Sie unterstützt. Digitale Transformation ist keine Nebensache, sondern bei richtiger Umsetzung ein Business-Booster. Sie wird Ihr Unternehmen voranbringen und allen Stakeholdern Mehrwert bieten, wenn Sie sich von Grund auf Zeit dafür nehmen. Und weil das so ist, setzen Sie sich für diesen ersten Schritt zwei klare Ziele. Warum? Weil einer der sieben häufigsten Gründe für das Scheitern der digitalen Transformation das fehlende Ziel ist. Und zu Zielen gehört auch ein Zeitpunkt. Deshalb also:
  • bis wann ist die Skizze fertig
  • was wollen Sie damit erreichen
 
Digitale Transformation anzugehen, weil die ganze Welt davon spricht, mag ein wichtiger Teil des Ganzen sein. Aber davon haben Sie noch keine neuen Brötchen gebacken, die Gewinnmarge optimiert, Ihre Prozesse vereinfacht oder die Kunden mit digitalen Prozessen, Vereinfachung und Gadgets positiv überrascht, sodass sie mehr bestellen und sich bei Ihnen gut aufgehoben fühlen. Unterschätzen Sie diesen Faktor nicht. Dass Sie Kosten sparen und Ihr Unternehmen in der Gegenwart und in Zukunft gut aufgestellt ist, wenn Sie die digitale Transformation Schritt für Schritt vorantreiben, ist gegeben. Und… vielleicht macht es das Unternehmen für Talente attraktiv, die sonst nicht auf Sie aufmerksam geworden wären.  
 
 

Abgegriffen und trotzdem wichtig

Man mag kaum mehr lesen, was alles zur Chefsache erklärt wird und auf der Tasks-Liste des Geschäftsführers oder -inhabers um den besten Platz buhlt. Sie können sich denken, was jetzt kommt. Ja, auch die digitale Transformation sucht sich den ersten Rang genau auf dieser Liste. Die gute Nachricht ist: Nachdem die Skizze steht, die Sie mit anderen wichtigen Stakeholdern im Unternehmen verfeinern können, fallen relevante Aufgaben in die Hände anderer. Denken Sie einfach daran: Vom ersten Schritt bis zur Umsetzung bleiben Sie im Driver Seat und behalten das Ziel immer im Fokus. Vor allem auch bei wichtigen Entscheidungen und der begleitenden Kommunikation. Sie müssen wissen, was das Unternehmen ausmacht und welchen Nutzen Sie und Ihre Kunden daraus ziehen sollen, damit Sie bei der digitalen Transformation die Pole Position besetzen. 
 
 

Fassen wir zusammen  

In der Theorie klingt digitale Transformation ganz einfach. Aber das Thema in ihrer gesamten Komplexität zu erfassen und umzusetzen, ist eine andere Hausnummer. Da lohnt es sich, klein anzufangen und einen Bereich auszumachen, bei dem der Erfolg das Unternehmen effektiv weiterbringt. 
 
Setzen Sie für den ersten Schritt folgende Massnahmen um:  
  1. Ein leeres Blatt Papier, ein Flipchart oder eine digitale Pinwand. 
  2. In der Mitte listen Sie alle Produkte und/oder Dienstleistungen sowie die Distributionskanäle Ihres Unternehmens auf.
  3. Notieren Sie links Ihre Lieferanten. Welche Lieferanten sind aktiv und tragen einen Teil zu Ihren Produkten/Dienstleistungen bei?
  4. Rechts finden die Kunden ihren Platz. Wenn Sie im B2B Verkauf tätig sind, schreiben Sie die Branche/n Ihrer Kunden auf. Im B2C können es auch allgemeine Zielgruppen sein wie z.B. Sportler, Gourmets, Autofahrer, Investoren etc. 
 
Die Anordnung ist nur ein Beispiel zur Veranschaulichung. Wenn Ihnen Mindmap mehr liegt oder Ihnen eine andere Art der Auflistung einfacher von der Hand geht – umso besser. Denken Sie einfach daran, dass Sie mit einem neutralen Blick auf Ihr Unternehmen schauen und legen Sie los.
 
In nächsten Artikel tauchen wir tiefer ein, setzen die Kundenbrille auf und kümmern uns um die Datenströme sowie die analogen und digitalen Prozesse. 
 
Sie möchten gleich loslegen und haben wenig Zeit oder finden nicht den optimalen Einstieg?
Kennen wir. André Zibung oder Marko Vasilj geben Ihnen gerne Starthilfe. Beides Macher und Sparring Partner verschiedener nationaler und internationaler Unternehmen. 
 
 
 
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