Anleitung zum Faktencheck

Bewusste Desinformation und Falschmeldungen sind besonders in den Sozialen Medien hoch im Kurs, sie garantieren mit spektakulären Bildern und reisserischer Sprache viele Klicks und Aufmerksamkeit. Das dient sowohl den Plattformen als auch den Werbekunden. Doch wie erkennen Sie Fake News? Wie verhindern Sie, dass Sie mit dem Weiterverbreiten genau dieser Meldungen unbewusst bei Täuschungsmanövern mitmachen? Wir geben Ihnen hier Tipps, wie Sie Falschmeldungen rasch erkennen und so mithelfen können, deren Verbreitung zu verlangsamen. 
 
(Bild: jirsak / Adobe Stock)
 
Fake News und gezielte Desinformationskampagnen sind ernsthafte Bedrohungen für Wirtschaft, Umweltschutz und Demokratie. Sie spalten unsere Gesellschaft und behindern wichtige politische Entscheidungen, beispielsweise beim Klimaschutz. Sie bedrohen Zukunftsprojekte und Arbeitsplätze, zum Beispiel die Modernisierung unserer zunehmend überlasteten Mobilfunk-Infrastruktur, auf die wir für die tägliche Kommunikation angewiesen sind.
 
Durch die zunehmende Polarisierung verhindern sie den konstruktiven Dialog und die Einigung auf gemeinsame Wahrheiten. Damit schaden sie unserer Demokratie.
 
Zwar findet man im Internet so gut wie alle Informationen zu praktisch jedem Thema und deshalb auch die wissenschaftlich oder unabhängig geprüften, korrekten Angaben. Jedoch beschleunigen die Geschäftsmodelle der sozialen Netzwerke nicht die Verbreitung der korrekten, sondern die von Falschinformationen.
 
 

Soziale Netzwerke fördern Desinformation

Der Mechanismus dahinter ist schnell erklärt. Durch den Verkauf von Werbung steigt der Umsatz von Sozialen Netzwerken mit der Dauer, die Nutzerinnen und Nutzer auf ihrer Plattform verbringen. Die Netzwerke buhlen deshalb um unsere Aufmerksamkeit und befinden sich dabei in Konkurrenz mit anderen Beschäftigungen, die uns von ihnen ablenken könnten. 
 
Dies gelingt ihnen umso besser, je sensationeller und emotionaler die Inhalte sind, die sie uns präsentieren. Die Anbieter haben also ein Interesse daran, uns immer dann einen spektakulären oder stark emotionalen Inhalt anzuzeigen, wenn unsere Aufmerksamkeit abzudriften droht und die Gefahr besteht, dass wir die Plattform verlassen könnten, um uns anderen Dingen zuzuwenden. Ob die angezeigte Information falsch oder korrekt ist, ist dafür irrelevant.
 
Diesen Mechanismus nutzen Produzenten und Verbreiter von Falschinformationen aus. Sie wissen sehr gut, dass Spektakuläres und Emotionen die Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppen steigern und dass diese dann wiederum solche Inhalte umso schneller teilen. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass eine Information falsch sein könnte, ist deshalb der «Wow»- oder «Aha»-Effekt, den sie auslöst. Wenn man diesen Effekt spürt, sollte man schon misstrauisch werden.
 
Wer ist noch nicht darauf hereingefallen? – «Zwischen all den Nachrichten über gestiegene COVID-19-Fallzahlen, Ausgangssperren und Engpässen bei medizinischem Bedarfsmaterial gab es in den letzten Wochen auch ein paar gute Meldungen: Schwäne und Delfine sind in die verlassenen Kanäle Venedigs zurückgekehrt. Ein paar Elefanten spazierten durch ein Dorf in Yunnan, China, soffen dort den Kornwein leer und schliefen ihren Rausch in einer Teeplantage aus. Auf Twitter, Instagram und Tik Tok gingen sie (diese Meldungen) viral. Sogar in grossen Onlinemedien wurde darüber berichtet.» Nur leider waren sie falsch. 
 
Es passiert auch den Kritischsten unter uns, dass sie Falschinformationen auf den Leim gehen. Vor allem wenn eine neue Information sensationell erscheint, neigen wir dazu, sie zu teilen, noch bevor wir sie richtig gelesen, geschweige denn geprüft zu haben. Wie Viren verbreiten sich solche Falschinformationen weiter. Ganz besonders dann jedoch empfiehlt es sich, innezuhalten, tief durchzuatmen und zu recherchieren, ob die Sache wirklich stimmt. 
 
 

Korrekte Informationen sind eher langweilig

Denn obwohl natürlich auch korrekte Informationen spektakulär sein oder starke Emotionen auslösen können, ist dies viel seltener der Fall und die Urheber solcher Informationen verpacken sie auch nur selten so. Ihnen kommt es mehr auf die sachliche Korrektheit an, als auf die spektakuläre oder emotionale Verpackung – Ausnahmen bestätigen die Regel.
 
Bei den Produzenten von Falschinformationen handelt es sich in der Regel um talentierte oder professionelle Meinungsmacher, die mit Desinformationskampagnen politische oder wirtschaftliche Ziele verfolgen. (Auch hier bestätigen Ausnahmen – in Form vermeintlicher Spassvögel – die Regel.) Sie wissen, dass ein Bild mehr bewirkt als tausend Worte. 
 
Deshalb sind bewusst verbreitete Falschinformationen in der Regel von spektakulären Fotos begleitet und die erste Frage in der Faktencheck-Grafik lautet, ob es solche Fotos gibt. 
 
ReclaimTheFacts hat sich zur Aufgabe gemacht, den Falschinformationen im Netz korrekte Informationen von Wissenschaft und von Fakt-Checkern entgegenzustellen und die Nutzer von sozialen Netzen dabei zu unterstützen, selbst die Wahrheit herauszufinden. Um dies zu vereinfachen, haben wir eine Faktencheck-Infografik erstellt, die alle in diesem Artikel enthaltenen Tipps und das Vorgehen in Form eines Ablaufdiagramm beinhaltet.
 
 

Nutzen Sie die umgekehrte Bildersuche 

Ein bekanntes Beispiel ist der Mythos von Vögeln, die zu Hunderten durch 5G-Netze getötet wurden. Dieser längst widerlegte Mythos – allein schon durch die Tatsache, dass in den meisten Regionen 5G noch gar nicht installiert war – taucht in verschiedenen Varianten immer wieder auf. Die meisten Beiträge enthalten Fotos Hunderter toter Vögel auf dem Boden. Lädt man diese in die umgekehrte Bildersuche von Google, zeigt sich jedoch zum Beispiel, dass es sich um das Foto eines viel älteren Artikels italienischer Zeitungen handelt. Im Artikel geht es um zahlreiche Vögel, die durch einen Hagelsturm erschlagen worden waren.
 
 

Prüfen Sie die Quelle

Meist genügt schon die umgekehrte Bildersuche, um eine Falschinformation zu entlarven. In Fällen, in denen dies noch keinen eindeutigen Hinweis auf eine Falschinformation liefert, liefert vielleicht die Quelle einen Hinweis. 
 
Hier wird es schon schwieriger. Es gibt Online-Portale, die wie renommierte wissenschaftliche Publikationsportale aussehen, die jedoch gegen Bezahlung ungeprüft alles veröffentlichen, was man hochlädt. 
 
Wie soll man als Laie erkennen, ob ein Online-Portal seriös und vertrauenswürdig ist? Einen ersten Hinweis liefert das Impressum, falls vorhanden. Wer steckt dahinter, welche Verbindungen gibt es und auf welche Motive lässt dies schliessen? Das sind Fragen, zu denen man Antworten recherchieren kann. Gibt es kein Impressum, ist dies verdächtig. Weitere Hinweise findet man vielleicht, indem man den Namen des Portals und «seriös» googelt. 
 
Auch ob die publizierten Beiträge andere, seriöse Quellen zitieren, zu diesen verlinken und ob es noch weitere, unabhängige Quellen mit den gleichen Informationen gibt, entscheidet über die Glaubwürdigkeit eines Portals. 
 
 

Gibt es eine Verlinkung zu den Originaldaten?

Unabdingbar ist die Verlinkung zu den Originaldaten. Zum Beispiel ist unter Leugnern des menschengemachten Klimawandels eine Grafik beliebt, die auf NASA-Daten beruht und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends einen geringeren Anstieg der globalen Erderwärmung zeigt. Die Grafik geht allerdings nur bis zum Jahr 2016. Schaut man sich die gleiche Grafik bei der Quelle – der NASA – an, zeigt diese ab dem Jahr 2017 wieder einen Anstieg der Temperaturen, im Einklang mit den wissenschaftlichen Modellen. Die Klimawandel-Leugner-Grafik ist in diesem Fall nicht falsch, aber sie ist irreführend und deshalb manipulativ. 
 
 

Wieso soll man dem «Mainstream» überhaupt misstrauen?

Am Ende läuft alles auf eine Frage des Vertrauens hinaus. Wem können wir noch vertrauen? Den Wissenschaftlern, die beteuern, dass bisher noch kein Hinweis auf eine schädliche Wirkung von Mobilfunkstrahlen gefunden wurden oder denen, die von einer weltweiten Verschwörung der Mobilfunkindustrie sprechen, um uns die Schädlichkeit elektromagnetischer Strahlung zu verheimlichen? Die Situation ist ähnlich wie beim Klimawandel und COVID-19. 
 
Vertrauen wir dem «Mainstream» der Wissenschaftler oder den vereinzelten Kritikern, die auf Effekte verweisen, die der Mainstream angeblich unterschlägt? 
 
In der Regel zeigt sich, dass ausgerechnet die Kritiker Fakten unterschlagen, nämlich solche, die ihrer Kritik widersprechen würden. Für Laien ist es oft nicht möglich, dies zu entlarven, weil sie selten alle Fakten kennen. Es stellt sich dann jedoch die Frage, wie es denn rein praktisch möglich sein soll, dass sich Tausende von Wissenschaftlern verschwören, um uns eine oder mehrere Lügen aufzutischen. 
 
Wissenschaftler haben ihren Beruf gewählt, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Sie sind auf der ständigen Suche nach der Wahrheit. Ihr Beruf ist Berufung. Sie sind sehr streitfreudig und ständig darauf bedacht, Fehler von Kollegen zu entlarven, um der Wahrheit näher zu kommen. 
 
Wie wahrscheinlich ist es angesichts dieser Tatsachen, dass sich eine überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlern eines bestimmten Forschungsgebiets verschwören kann, um Wahrheiten zu unterdrücken? Und wie wahrscheinlich ist es, dass einzelne Wissenschaftler den Querulanten spielen, um den «Mainstream» herauszufordern, sei es aus Eitelkeit, Geltungssucht oder weil sie dafür bezahlt werden? 
 
Was ist wahrscheinlicher? Die Antwort auf diese Frage liefert einen Hinweis auf die Korrektheit einer Information, nachdem alle anderen Hinweise schon überprüft wurden. 
 
Aktuelle Informationen und Campaigning für Fakten gibt es unter: www.ReclaimTheFacts.com
 
 

Der Autor


Peter Metzinger ist Physiker, Gemeinderat und Campaigning-Pionier. Engagement für nachhaltige und innovative Lösungen für Umwelt und Wirtschaft ist seit 1982 eine seiner Leidenschaften. In diesem Zusammenhang musste er immer wieder feststellen, dass gezielte Desinformationen gute Lösungen behindern bis verhindern. So lancierte er ReclaimTheFacts.com, um allen, die sich für faktenbasierte Entscheidungen engagieren wollen, eine Plattform zu geben.
 
 

 

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