Die Verarbeitung von Dokumenten gehört zu den zeitintensivsten, aber am wenigsten wertschöpfenden Aufgaben in KMU. Posteingang, Rechnungen, Anfragen und Verträge müssen täglich gesichtet, erfasst und verteilt werden, bisher weitgehend manuell. Neue GenAI-basierte «Document Intelligence»-Lösungen [1] zeigen erstmals, wie diese repetitiven Tätigkeiten automatisiert und Mitarbeitende wirkungsvoll entlastet werden können.

Symbolbild Copilot
Warum Dokumentenarbeit ein unterschätzter Produktivitätskiller ist
GenAI verändert den Umgang mit Dokumenten
Vier Anwendungsfälle für Document Intelligence
1. Automatisierter Posteingang
- Kein manuelles Öffnen und Vorsortieren mehr
- Schnellere Reaktionszeiten
- Weniger Fehlerquellen
Abbildung 1: Beispiel Automatisierter Posteingang in DMS-Software "HONESTY AI" [5]
2. Belegverarbeitung mit RAG-Unterstützung
- Automatische Validierung von Beträgen, Konditionen und Zahlungszielen
- Weniger Fehler und Rückfragen
- Beschleunigte Bestell- oder Freigabeprozesse
3. Chat mit Dokumenten: Wissen direkt aus Verträgen, Protokollen & Co.
- Niedrige Zugangshürden, da keine Fachsysteme durchsucht werden müssen
- Mehrsprachige Abfragen und automatische Übersetzungen
- Wissenssicherung, gerade in kleinen Teams
Abbildung 2: Beispiel "Chat mit Dokumenten" in DMS-Software "HONESTY AI" [6]
4. Dokumentenzusammenfassung und Vergleich
- Schnellere Entscheidungsfähigkeit
- Weniger Missverständnisse
- Einfacherer Zugang zu komplizierten Sachverhalten
Was Schweizer KMU daraus mitnehmen sollten
- Document Intelligence ist reif für den Einsatz in KMU:
Es sind keine riesigen IT-Projekte nötig, die Lösungen der meisten Anbieter funktionieren als modulare Cloud-Services. - Hoher Nutzen bei geringem Risiko:
Startpunkt kann ein klar begrenzter Prozess oder ein begrenztes Aufgabenfeld (Posteingang, Eingangsrechnungen, Vertragsprüfung) sein. - Produktivitätsgewinne entstehen sofort:
Automatisierung repetitiver Tätigkeiten spart Zeit und reduziert Fehler. Mitarbeitende werden entlastet, nicht ersetzt. Die KI nimmt Vorarbeit ab, Entscheidungen bleiben beim Menschen. - Schweizer Datenschutz bleibt umsetzbar:
Erste vollständig DSV- und EU-DSGVO-konforme Lösungen existieren, in grösseren Unternehmen sind auch lokale Hosting-Optionen on-premise umsetzbar.
Quellen
[1] Odofin, O. T. et al. (2024): Strategic Integration of LangChain, Hugging Face Transformers, and OpenAI for Document Intelligence Systems. International Journal of Scientific Research in Science, Engineering and Technology (Vol.11, 4). 413-426.
[2] Ke, W. et al. (2025): Large Language Models in Document Intelligence: A Comprehensive Survey, Recent Advances, Challenges, and Future Trends. ACM Transactions on Information Systems (Vol. 44, 1).1-64.
[3] Kamlakshya, T. & A. Hota (2025): A Framework for Multimodal Document Intelligence and Fraud Prevention: Leveraging AI and Machine Learning-Enabled Device for Enhanced Decision-Making (Powered by DeepSeek-R1 and AI Agents). OSF Preprints, no. g5hw7_v1, Center for Open Science.
[4] Straub, L. et al. (2025): Lost in Possibilities: A Literature Review Toward Archetypes of GenAI-Based Tools for Innovation Processes. Proceedings of the 20th International Conference on Wirtschaftsinformatik, Münster.
[5] und [6] Lurz, J. (2025): Screenshots DMS-Software HONESTY AI. CrossCommerce GmbH, Würzburg.
Der Autor

Dr. Julian Lurz ist Wirtschaftsinformatiker mit Promotion zu ERP-gestützter Entscheidungsautomatisierung sowie Gründer mehrerer Technologieunternehmen, u. a. NAVIBIS (Datenanalyse), StellaVent Capital (Software-Investments) und CrossCommerce GmbH.
Sein Fokus liegt auf ERP-Modernisierung, KI-Integration und RAG-Services für Dokumentenmanagement. LinkedIn
Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 25-4
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