Was echte Shops von Fake‑Shops lernen können – und was sie nicht sollten

20.01.2026
4 Min.

Man klickt auf ein attraktives Angebot auf Social Media und landet in einem Fake-Shop. Das passiert täglich Tausenden. Nicht nur die Konsumentin wird so getäuscht, auch der echte Handel wird geschädigt. Also ist alles schlimm an diesen Fake-Shops? Leider nein, denn sie machen auch vieles richtig. Es ist deshalb nicht verboten, als Anbieter davon zu lernen. Wir haben mal die wichtigsten Punkte zusammengetragen.

 

Symbolbild von Ze Vieira via Unsplash

 

Lernen von den falschen Shops

Fake‑Shops sind ein Ärgernis, sie schaden Konsumenten, Marken und dem Vertrauen in den Online‑Handel. Und trotzdem muss man ihnen eines lassen: Sie sind oft erstaunlich gut gemacht - visuell sauber, psychologisch durchdacht und technisch schlank.

Das ist paradox: Ausgerechnet jene, die betrügen, zeigen den Ehrlichen, wie man erfolgreich verkauft.

Echte Shops dürfen daraus lernen, aber sollten natürlich nicht alles übernehmen. Denn es gibt Grenzen, die man als seriöser Online-Anbieter einfach nicht überschreiten darf.

Wir haben mal einige Punkte zusammengetragen:

 

Was Fake‑Shops erschreckend gut machen – und was echte Shops übernehmen dürfen

1. Klarheit schlägt Komplexität

Fake‑Shops sind oft radikal reduziert, ohne jeden Ballast:

  • Grosse Produktbilder
  • Klare Buttons
  • Wenig Text
  • Keine Ablenkung

Das wirkt professionell und es funktioniert. Leider, im Fall der Fake-Shops.

Lektion für echte Shops:

Weniger ist nicht nur mehr, weniger wirkt und ist oft auch vertrauenswürdiger.

 

2. Emotionen sind kein Zufall

Fake‑Shops kennen die Trigger und spielen diese auch aus:

  • «Nur heute»
  • «Nur noch 3 Stück verfügbar»
  • «Andere Kunden haben gerade gekauft»

Das ist Verkaufspsychologie in Reinform.

Lektion für echte Shops:

Emotionen dürfen sein — aber bitte ehrlich.

Transparente Verknappung ist okay, erfundene Dringlichkeit aber nicht. Ist ein Artikel beliebt und nicht mehr lange verfügbar – klar, weitersagen. Aber eine Verknappung vorspiegeln? Das schadet dem Vertrauen und damit der Glaubwürdigkeit.

 

3. Eine Bildsprache, die wirkt

Die Fälscher wissen: Ein gutes, ja perfektes Produktbild verkauft besser als jeder Text.

  • Konsistente Farben
  • Klare Typografie
  • Hochwertige, perfekt ausgeleuchtete Fotos

Lektion für echte Shops:

Professionelle Visualität ist kein Luxus, sie ist ein Vertrauensfaktor. Es lohnt sich, hier etwas mehr auszugeben für eine gute Beleuchtung, klare Inszenierung, höhere Auflösung.

 

4. Performance als Vertrauenssignal

Fake‑Shops sind technisch oft erstaunlich schnell. Warum? Weil sie keine Altlasten haben:

  • Keine 20 Plugins
  • Keine überladenen Skripte
  • Kein Tracking‑Dschungel

Lektion für echte Shops:

Ein schneller Shop wirkt seriöser und verkauft damit auch besser.

 

Was Fake‑Shops falsch machen – und was echte Shops vermeiden müssen

Fake-Shops sind alles andere als Musterschüler und es ist wichtig, nicht alles zu kopieren, will man als echter Anbieter Erfolg haben.

Hier die wichtigsten Punkte:

 

1. Rabatte, die zu gut sind, um wahr zu sein:

Minus 80 %, – 90 %, «Alles muss raus», «wir schliessen», «Räumungsverkauf».

Fake‑Shops übertreiben und lügen, weil sie nichts zu verlieren haben. Überhaupt nichts, weder Glaubwürdigkeit noch Vertrauen. Es gibt sie in wenigen Tagen bis Wochen sowieso nicht mehr und ein neuer Shop wird eröffnet.

Das gilt natürlich nicht für echte Shops – hier sorgen Übertreibungen rasch für Misstrauen.

Lektion für echte Shops:

Don’t: Künstliche Rabattschlachten, Mondpreise, Scheinverknappung

Do: Echte Angebote, klar kommuniziert

 

2. Bewertungen aus dem KI‑Baukasten

Gefälschte Testimonials, Stock- oder KI-Fotos, Copy‑Paste‑Lobeshymnen. Fake-Shops stellen sich immer als das Nonplusultra dar – und mit KI sind 50 Fünf-Sterne-Bewertungen im Nu erstellt.

Lektion für echte Shops:

Don’t: Social Proof manipulieren. Wer das macht und beim Lügen erwischt wird, erholt sich kaum mehr davon. Der Ruf ist nachhaltig ruiniert.

Do: Echte Kundenstimmen, moderiert und transparent. Selbst negative Bewertungen helfen, die Produkte bzw. den Service besser zu machen und unterstreichen die Echtheit des Shops sowie der Angebote. Jede Kritik ist eine Chance, den Kunden ernst zu nehmen und doch noch zufriedenzustellen.

 

3. Dark Patterns im Checkout

Auch beim Bezahlen tricksen Fake‑Shops. Sie nutzen zum Beispiel:

  • Versteckte Kosten
  • Automatisch gesetzte Häkchen für Zusatzverkäufe
  • Verwirrende Navigation
  • Dubiose Zahlungsmöglichkeiten

Lektion für echte Shops:

Don’t: Tricks. Ein einmal getäuschter Kunde kauft nie mehr dort ein.

Do: Klarheit, Einfachheit, Fairness. Kosten klar aufführen, Zusatzverkäufe und -leistungen anbieten, aber nicht aufdrängen, klare Auswahl der Zahlungsmöglichkeiten.

 

4. Gütesiegel, die es nie gab

Fake‑Shops erfinden Logos oder kopieren sie. Trusted Shops, Testresultate, Qualitätssiegel… Alles, was Vertrauen wecken soll, wird gezeigt.

Lektion für echte Shops:

Don’t: Siegel inflationär einsetzen. Mehr ist nicht immer mehr, eine Flut an Abzeichen wirkt eher verwirrend und irritierend, lässt sogar an der Glaubwürdigkeit zweifeln.

Do: Echte Zertifikate und Auszeichnungen zeigen, aber nur sparsam und wenn sinnvoll.

 

Der entscheidende Unterschied: Vertrauen ist kein Design‑Trick

Fake‑Shops simulieren Vertrauen, echte Shops bauen auf Vertrauen. Das ist der Punkt, an dem sich die Wege trennen.

  • Echte Lieferzeiten: Nichts beschönigen, klar kommunizieren
  • Echte Ansprechpartner: E-Mail, Telefon, Chat
  • Echter Support: Fragen oder Probleme kann es immer geben. Support ist eine Chance.
  • Echte Rückgaberegeln: Klar kommuniziert, nicht irgendwo versteckt
  • Echte Transparenz: Wer steht hinter dem Laden, wo ist der Sitz? Kein Versteckspiel betreiben
  • Echte Kundenbeziehungen: Ein zufriedener Kunde kommt wieder, erzählt es weiter, ist die beste Werbung überhaupt.

Ein Fake‑Shop muss nur bis zum Kauf überzeugen, für einen echten Shop geht die Überzeugungsarbeit dann erst richtig los. Pünktliche Lieferung, Kundendienst, allfällige Retouren verarbeiten...

Die praktische Checkliste für Shop‑Betreiber

Was man von Fake-Shops getrost übernehmen kann:

  • Klare Produktseiten
  • Qualitativ gute Bilder
  • Schnelle Ladezeiten
  • Mobile-Optimierung
  • Klare Call‑to‑Actions

Was dafür definitiv zu vermeiden ist:

  • Übertriebene Rabatte
  • Künstliche Verknappung
  • Gefälschte Bewertungen
  • Dark Patterns beim Check-out
  • Falsche Siegel oder Logos

Fazit: Von den Scammern lernen: Ja. Die Kundschaft täuschen: Nein

Fake‑Shops zeigen leider sehr eindrücklich, wie man erfolgreich verkauft. Doch die echten Shops zeigen, wie man das Vertrauen der Kundinnen und Kunden verdient und auch behält. Wer sich also beim Erfolgsrezept der Scammer bedient, gleichzeitig aber transparent und fair bleibt, der kann sogar aus diesen Fake-Seiten noch etwas Positives ziehen.

Wir wünschen viel Erfolg und gute Geschäfte!