Oliver Schulze: "Die Kosten- und Datenschutzthematik steht meist im Vordergrund"

07.01.2026
4 Min.

Decken sich die Bedürfnisse Schweizer KMU in Sachen IT mit den Plänen der IT-Anbieter für das Jahr 2026? Und was meinen ausgewiesene Fachpersonen zu den Trends? Der topsoft Trendkompass 2026 geht diesen Fragen auf den Grund. Hier lesen Sie die Antworten des Digitalisierungsexperten Oliver Schulze.

 

Oliver Schulze ist Digitalisierungsexperte und Geschäftsführer der agorum Software GmbH

 

Welche IT-Entwicklungen prägen 2026 den Erfolg von KMU?

KI-gestützte Automatisierung, Cloud-Services, Cybersicherheitslösungen, smarte Kollaborationsplattformen sowie Digitalisierung von Abläufen, Datenanalyse und Echtzeit-Auswertungen prägen 2026 massgeblich den Erfolg von KMU. Zusätzlich gewinnen Lösungen zur individuellen Prozessgestaltung weiter an Bedeutung.

 

Welche IT-Themen und Innovationen stehen 2026 bei Ihnen im Fokus?

Im Fokus stehen die Weiterentwicklung unserer KI-Integration ALBERT | AI im Dokumentenmanagementsystem, die unternehmensweite Vernetzung und Datenintegration mit Nora | 360°, die mobile Version, der Ausbau der Entwicklerplattform und das Thema individuelle Anpassungen sowie die Automatisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen.

 

Welche KI-Fragen bewegen Ihre Kunden im Jahr 2026?

Die zentralen Fragen unserer Kunden lauten: „Was kostet es?“, „Ist die Lösung DSGVO-konform?“ und „Was kann KI konkret für mein Unternehmen leisten?“ Die Kosten- und Datenschutzthematik steht dabei meist im Vordergrund, gefolgt von Fragen zum tatsächlichen Nutzen und zu Anwendungsmöglichkeiten.

 

Digitalisierung, Transformation, Automatisierung: Was hat sich seit 2025 verändert – und wo stehen KMU heute?

Viele KMU setzen weiterhin auf Einzellösungen für verschiedene Aufgaben, anstatt eine zentrale Plattform für sämtliche Geschäftsprozesse zu nutzen, was die Komplexität erhöht. Erst wenn gesetzliche Vorgaben wie die E-Rechnung oder die DSGVO greifen, erfolgt meist eine Anpassung. Die Unternehmen, die jedoch frühzeitig Digitalisierung und Automatisierung eingeführt haben, profitieren mittlerweile von einem deutlich höheren Output, effizienteren Abläufen und neuen Möglichkeiten, die vorher nicht umsetzbar gewesen wären – selbst mit überschaubarem Budget. Der Wandel erfolgt oft erst auf äusseren Druck, aber die Mehrwerte und die Wettbewerbsfähigkeit steigen erheblich durch die Nutzung integrierter IT-Lösungen.

 

Was sollten KMU 2026 nicht tun, wenn sie digital erfolgreich sein wollen?

KMU sollten darauf verzichten, für jede Anforderung separate Einzellösungen oder isolierte IT-Systeme einzuführen. Eine Vielzahl an Programmen erhöht den Wartungsaufwand, fragmentiert Datenbestände und verlangsamt Prozesse. Ebenso kritisch ist es, wenn Abteilungen unabhängig voneinander eigene Softwarelandschaften aufbauen. Digitalisierung muss strategisch, ganzheitlich und möglichst zentral gesteuert werden. Unternehmen, die an Insellösungen und manuellen Abläufen festhalten, verlieren messbar an Effizienz, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit.

Entscheidend ist, Digitalisierung nicht weiter aufzuschieben, sondern aktiv zu gestalten. Der richtige Zeitpunkt für den Start ist nicht irgendwann. Er ist jetzt.

 

Welcher einzelne Trend oder welche Entwicklung wird 2026 Ihrer Meinung nach am meisten überschätzt – und welcher wird unterschätzt?

Das Metaverse wird überschätzt, da es für KMU kaum greifbaren Nutzen bietet. Unterschätzt wird nach wie vor die Automatisierung von Routineaufgaben, die für nachhaltige Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit sorgt.

 

Carte Blanche

Beginnen Sie jetzt! Frühzeitige Digitalisierung und KI-Nutzung ermöglichen neue Chancen und erhebliche Effizienzsteigerungen, insbesondere für kleinere Unternehmen. Die individuelle Gestaltung von Prozessen ist zentral, um echte Mehrwerte zu erzielen. Wer Veränderungen offen angeht und zentrale Lösungen einsetzt, kann Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit spürbar steigern. Zögern verzögert den Erfolg, während aktive Umsetzung den Unterschied macht.