Künstliche Intelligenz ist längst auch in der Fertigung angekommen und entwickelt sich zum mächtigen Hebel für Effizienz, Qualität und Resilienz. Wer sein ERP-System mit KI-Funktionen erweitert, schafft die Basis für eine Wertschöpfung, die weit über die Automatisierung hinausgeht.

Symbolbild Copilot
Künstliche Intelligenz (KI) im ERP-System, dem digitalen Rückgrat eines Unternehmens, ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein handfester Wettbewerbsvorteil. Die Raiffeisen-Studie «Mehr als nur Hype: KI in der Praxis» belegt die Dringlichkeit: Zwar nutzen erst 9 % der Schweizer KMU KI systematisch, doch 54 % haben bereits Pilotprojekte gestartet.
Für zukunftsorientierte Fertigungsunternehmen lautet die entscheidende Frage daher nicht mehr ob, sondern wie sie KI als Hebel nutzen, um ihre Wertschöpfung fundamental neu zu gestalten.
Automatisieren, analysieren, vorausdenken
In der Praxis entfaltet KI ihre Wirkung schrittweise. Zuerst automatisiert sie Routinetätigkeiten, wo die KI z. B. PDF-Bestellungen selbständig ins ERP überträgt und so wertvolle Ressourcen freisetzt. Auf Basis dieser erfassten Daten agiert sie als analytischer Assistent. So kann sie etwa vorschlagen, einen grossen Auftrag in kleinere Chargen aufzuteilen, um die Produktivität zu steigern oder das Cash-Management optimieren.
Diese analytische Stärke mündet schliesslich in vorausschauende Fähigkeiten wie «Predictive Maintenance», die Maschinenausfälle prognostiziert, bevor sie kostspielige Stillstände verursachen. Diese vielseitigen Fähigkeiten sind jedoch kein Selbstzweck, sie führen direkt zu messbaren strategischen Vorteilen.
Der strategische Nutzen entfaltet sich in einer optimalen Wertschöpfungskette. Die initialen Produktivitätsgewinne durch automatisierte Routineaufgaben sind erst der Anfang. Diese neu gewonnene Kapazität der Mitarbeitenden kann auf kreative und strategische Initiativen gelenkt werden. Gekoppelt mit signifikanten Kostensenkungen, wie z. B. Energieersparnis oder einer verbesserten Qualitätssicherung, entsteht ein positiver Kreislauf aus fundierten, datengestützten Entscheidungen und optimiertem Risikomanagement.
Durchdachte Strategie ist das A und O
Diese weitreichenden Chancen lassen sich jedoch nur dann voll ausschöpfen, wenn die Implementierung strategisch und mit Weitsicht angegangen wird.
Der Erfolg hängt von der Bewältigung zentraler Herausforderungen ab.
- An erster Stelle steht eine hohe Datenqualität, denn jede KI ist nur so gut wie ihre Datengrundlage. Sind die Daten zum Beispiel aktuell? Liegen sie in einer passenden Form vor?
- Ebenso entscheidend sind organisatorische Hürden: Die Einführung ist ein Kulturwandel, der professionelles Change-Management erfordert, um Skepsis zu überwinden.
- Zudem müssen rechtliche und ethische Aspekte wie das Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG), der Speicherort der Daten und die klare Verantwortung des Menschen gewährleistet sein.
Ob Datenqualität, Kulturwandel oder Ethik: Diese Themen sind definitiv mehr als blosse Pflichtübungen. Sie sind die eigentliche strategische Arbeit, die darüber entscheidet, ob ein Unternehmen ganz vorne mitspielt oder eben weit hinter den Mitbewerbern zurückbleibt.
Für die Schweizer Fertigungsindustrie ist ein KI-unterstütztes ERP-System damit nicht länger nur ein Effizienzwerkzeug, es ist die unverzichtbare Grundlage für zukünftige Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Der Autor
Cyrill Schmid ist Managing Partner bei topsoft und leitet auch das topsoft Consulting-Netzwerk. Seit fast 30 Jahren begleitet er Unternehmen bei der Auswahl und Einführung von Business-Software und bringt Klarheit in komplexe IT-Fragen.
www.topsoft.ch/consulting
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Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 25-4
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