Ist Open Source die Lösung für die digitale Souveränität der Schweiz?

02.02.2026
3 Min.

An der gutbesuchten Veranstaltung "Open Source – Wilhelm Tell der Digitalen Souveränität?" von «focus on future» vom 26. Januar 2026 in der Villa Boveri wurde eines deutlich: Die Frage nach der digitalen Unabhängigkeit ist für die Schweiz längst keine theoretische Debatte mehr. Die Abhängigkeit von ausländischen Software‑ und Hardwareanbietern entwickelt sich angesichts geopolitischer Spannungen zu einem echten Geschäftsrisiko.

 

Bildquelle focus on future

 

Angesichts der politischen Veränderungen und Risiken der aktuellen Zeit fragen sich viele KMU: Wie sicher ist meine digitale Infrastruktur? Wie stark sind wir von den US-Tech-Konzernen abhängig? Und welche Möglichkeiten gibt es, sich aus diesen Zwängen zu befreien? Könnte uns Open Source wie ein moderner Wilhelm Tell aus der Abhängigkeit der grossen Tech-Giganten befreien?

In der Villa Boveri in Baden verfolgten die Teilnehmenden die Vorträge von Matthias Stürmer sowie Daniel Binggeli. Gemeinsam zeigten beide Sprecher, wie sich Innovation, wirtschaftlicher Erfolg und Gemeinwohl auf Basis von Open Source und digitaler Souveränität verbinden lassen und für alle einen nachhaltigen Mehrwert schaffen können.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Wo die Schweiz verwundbar ist

Unternehmen stehen vor drei zentralen Gefahren:

  • Datenrisiken: Sensible Informationen könnten im Ausland eingesehen oder abgegriffen werden.
  • Kostenrisiken: Lizenzmodelle und Preise können sich jederzeit ändern.
  • Lieferkettenrisiken: Politische Konflikte könnten Updates oder Support blockieren – mit direkten Folgen fürs operative Geschäft.

Politischer Rückenwind für Open Source

Hauptreferent Matthias Stürmer zeigte auf, dass die Schweiz inzwischen klare Rahmenbedingungen schafft, um digitale Souveränität zu stärken. Drei Initiativen stehen im Zentrum:

  • Public Money, Public Code: Mit Steuergeldern entwickelte Software soll der Allgemeinheit zugutekommen.
  • EMBAG: Das neue Bundesgesetz schafft Rechtssicherheit und fördert offene Standards im öffentlichen Sektor.
  • Anschubfinanzierungen: Staatliche Fördergelder stärken das Schweizer Open‑Source‑Ökosystem und lokale Wertschöpfung.

Diese Massnahmen machen Open Source zu einer strategisch attraktiven Option – für Behörden wie für Unternehmen.

Praxisbeispiel: Open Source funktioniert bereits heute

Daniel Binggeli zeigte in seinem Erfahrungsbericht, dass digitale Souveränität kein Zukunftsprojekt ist. Sein Unternehmen setzt seit Jahren konsequent auf Open Source und beweist, dass damit marktreife, erfolgreiche Produkte entstehen – inklusive lokaler Arbeitsplätze und stabiler Wertschöpfung.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die neuen Rahmenbedingungen bieten eine Chance, die eigene IT‑Strategie neu auszurichten:

  1. Souveränitäts‑Audit durchführen: Abhängigkeiten identifizieren und Alternativen prüfen.
  2. Rechtslage verstehen: EMBAG und «Public Money, Public Code» eröffnen neue Möglichkeiten – besonders in der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand.
  3. Lokales Ökosystem stärken: Zusammenarbeit mit Schweizer Open‑Source‑Anbietern schafft Transparenz, Flexibilität und Krisenresilienz.

Weiterführende Ressourcen

Die Diskussion um digitale Souveränität hat gerade erst begonnen. Nutzen Sie die bereitgestellten Ressourcen, um Ihr Wissen zu vertiefen und fundierte Entscheidungen für Ihr Unternehmen zu treffen.

  • Laden Sie die Folien der Präsentationen von Matthias Stürmer und Daniel Binggeli herunter.
  • Sehen Sie sich unten die Videoaufzeichnungen der Referate und der anschliessenden Publikumsdiskussion an.
  • Entdecken Sie die Bilder des Events auf Flickr, um einen Eindruck von der Atmosphäre zu erhalten.

 

Vortrag von Matthias Stürmer

 

Vortrag von Daniel Binggeli

 

Podiumsdiskussion