Fake‑Shops erkennen: Die wichtigsten Warnsignale in Zeiten von KI

12.01.2026
4 Min.

Fake‑Shops erleben mit KI erleben sie gerade ihre effizienteste Phase. Shops entstehen innert Minuten, wirken professionell, lokal und vertrauenswürdig – und verschwinden genauso schnell wieder. Wer sich nicht täuschen lassen will, braucht einen klaren Blick für gewisse Muster.

 

Symbolbild Copilot

 

Warum Fake‑Shops heute überzeugender sind als je zuvor

Die neue Generation von Betrugsseiten kombiniert drei Elemente, die früher so nicht möglich waren:

  • KI‑Websites, die aussehen wie echte Schweizer KMU
  • KI‑Bilder, die lokale Geschäfte suggerieren
  • Emotional aufgeladene Geschichten, perfekt zugeschnitten auf Social Media

Die Storys auf Social Media sind immer ähnlich:

Der Schmuckladen in Aarau schliesst wegen Krankheit. Die exklusive Modeboutique in Luzern findet keine Nachfolge. Der Uhrenhändler in Zürich geht in Konkurs. Dazu Rabatte von 80 % auf «Einzelstücke» und ein Link zu einem Shop, der erstaunlich seriös wirkt.

Viele dieser Shops nutzen zudem kürzlich aufgegebene .ch‑Domains mit bestehenden Backlinks. Das sorgt für gute Platzierungen in Suchmaschinen – und dafür, dass man nicht einmal auf eine dubiose Werbung klicken muss, um in einem Fake‑Shop zu landen. Eine einfache Internet-Suche führt ebenso rasch auf diese Scam-Seiten.

Ein zweites Muster, das vermehrt auftritt, betrifft Anlagebetrug: Deepfake‑Videos mit Prominenten oder Politikerinnen auf YouTube oder Social Media, die angeblich staatliche Programme empfehlen. Wer darauf klickt, landet nicht bei einer Chance, sondern bei professionellen Betrügern.

Gefälschte Bewertungen, erfundene Medienberichte

Die Bewertungen auf den Seiten sind dabei längst kein verlässlicher Indikator mehr. Mit KI und Bots lassen sich innert Minuten hunderte 5‑Sterne‑Reviews generieren. Auch verlinkte angebliche Medienberichte von SRF oder Blick sind oft komplett erfunden – inklusive manipulierten Videos.

Vertrauen Sie deshalb eher auf unabhängige Bewertungsportale wie Trustpilot als auf die Sterne im Shop selbst. Die können Sie getrost ignorieren – das gilt allerdings meist auch für seriöse Shops, denn wer glaubt schon, dass ein Shop selbst auch die schlechten Bewertungen publiziert...

Warum fallen so viele Menschen darauf rein?

Weil die Mechanismen der Scammer perfekt auf die menschliche Psychologie abgestimmt sind, sie kennen ihr Handwerk:

Emotion schlägt Logik

Die rührende Geschichte vom kranken Juwelier oder dem süssen älteren Paar ohne Nachkommen aktiviert Hilfsbereitschaft – und senkt das kritische Denken oder die Distanz.

Autorität wirkt

Ein Deepfake mit einer prominenten Person genügt, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen. Wenn die Bundesrätin oder der Sportler das sagt, wird das ja wohl stimmen.

.ch‑Domains suggerieren Nähe

Viele gehen davon aus, dass eine .ch‑Adresse automatisch seriös sei. Das ist sie nicht. Jeder kann eine .ch-Adresse registrieren, auch ohne jeden Bezug zur Schweiz.

Professionelles Design täuscht Sicherheit vor

KI macht es einfach, Shops perfekt aussehen zu lassen – inklusive fehlerfreier Texte und stimmiger Bilder. Und es geht einfach und schnell, schon gibt es dann eben Shops in Aarau, Bern, Zürich, Basel… Denn ein vorgetäuschter Lokalbezug schafft Nähe.

Zeitdruck reduziert Vorsicht

«Nur heute», «Letzte Chance», «Wir schliessen bald» – Stress ist der beste Freund der Betrüger. Wir haben schnell das Gefühl, etwas zu verpassen.

 

Die 7 wichtigsten Erkennungsmerkmale von Fake‑Shops

  1. Unrealistische Preise
    Hohe Rabatte von 70–90 % sind fast immer ein Warnsignal.
  2. Fehlende oder unklare Kontaktangaben
    Keine Adresse, keine Telefonnummer, kein Handelsregistereintrag.
  3. .ch‑Domain ohne Bezug zum Angebot
    Designerschmuck unter reitstall‑hinterkappelen.ch? Einfach nein.
  4. Fehlendes oder kopiertes Impressum
    Ein seriöses Unternehmen hat ein korrektes Impressum. Fehlt dieses: Aufpassen.
  5. Nur Vorkasse oder dubiose Zahlungsarten
    Betrüger wollen Geld oder Kreditkartendaten – möglichst schnell.
  6. Zu perfekte, generische KI‑Bilder
    Konsistent, aber unnatürlich makellos? Vorsicht.
  7. Deepfake‑Werbung
    Promis oder Politikerinnen, die angeblich Anlageprogramme bewerben, sind fast immer gefälscht.

 

Tools & Checks für zusätzliche Sicherheit

  • Handelsregister‑Suche
    Prüfen Sie zum Beispiel auf moneyhouse.ch, ob die Firma tatsächlich existiert.
  • Google‑Maps‑Check
    Ist die Adresse plausibel? Ein Gewerbegebiet ist es – eine Alphütte eher nicht.
  • Reverse Image Search
    Zeigt oft, ob Bilder von anderen Shops oder aus China stammen. 
  • Bewertungsseiten
    Trustpilot & Co. liefern echte Erfahrungsberichte. 

Fazit: Fake‑Shops werden besser – aber man kann sie erkennen

KI macht Fake‑Shops schneller, professioneller und schwerer zu durchschauen. Doch die Muster bleiben dieselben: Etwas zu gute Angebote, etwas zur emotionale Geschichten, immer mit enormem Zeitdruck und dem Gefühl, etwas zu verpassen.

Wer diese paar einfachen Checks durchführt, reduziert das Risiko deutlich, auch wenn es nie eine absolute Sicherheit gibt. Und: Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen darüber. Betrug trifft oft jene, die am wenigsten damit rechnen.

Sicherer shoppen ist möglich – wenn man die Muster kennt.