Überall ist immer von Effizienz die Rede - doch Urs Prantl erklärt in seiner Kolumne, warum eigentlich die Effektivität ganz vorne stehen müsste und die Effizienz im Prinzip nur eine Nebenrolle spielt.
Kolumne von Urs Prantl
«Effektivität heisst, die richtigen Dinge tun, Effizienz heisst, die Dinge richtig tun.» Das Zitat stammt vom Managementvordenker Peter F. Drucker aus seinem 1967(!) erschienenen Buch The Effective Executive. Auf Deutsch übersetzt wurde der Buchtitel mit «Die ideale Führungskraft». Mit «ideal» wurde der passendere Begriff «effective» komplett verwässert – mit der Folge, dass Effizienz zum Mass aller Dinge und Effektivität bestenfalls zum Synonym dafür verkommen ist. Ein fataler Irrtum mit schwerwiegenden Folgen.
Effizienz ist Everybody’s Darling. Nichts, was nicht noch effizienter gemacht werden könnte. Googelt man beispielsweise die Begriffe «Effizienz» und «Effektivität», so kommt der Erstere gut fünfmal häufiger vor. Abgesehen davon, dass kaum ein Unterschied zwischen den beiden Begriffen gemacht wird, wird Effizienz geradezu missionarisch gepredigt.
Der Irrtum besteht nun darin, dass Effektivität oft mit Effizienz gleichgesetzt wird und dass Effizienz vor allem als Allerheilmittel für jeglichen unternehmerischen Erfolg herhalten muss. So wird uns suggeriert, dass Unternehmen, Prozesse, Verfahren, Mitarbeitende etc. primär effizienter werden müssen. Die IT trägt dazu massgeblich bei – besteht doch das Nutzenversprechen fast aller IT-Dienstleister primär aus Effizienzsteigerung. Auch die Digitalisierungsanstrengungen der meisten Unternehmen kümmern sich nur um die Verbesserung der Effizienz und deutlich seltener um die Steigerung ihrer Wirksamkeit.
Was nun aber, wenn plötzlich Unternehmen (oft Start-ups) auf der Bildfläche erscheinen, die sich primär um eine herausragende Wirksamkeit kümmern? Eine Wirksamkeit, die ein Kundenproblem möglicherweise zehnmal, hundertmal oder tausendmal wirkungsvoller löst?
Nicht, dass Effizienz unwichtig wäre. Sie ist bloss zweitrangig. An erster Stelle müssen immer die Herstellung und Verbesserung der Wirksamkeit und damit die Steigerung des Kundennutzens stehen. Das gilt nicht nur für Start-ups – es gilt insbesondere auch für etablierte Unternehmen. Sie müssen lernen, sich zuerst um ihre Wirksamkeit und erst dann um die Verbesserung ihrer Prozesse etc. zu kümmern. In der Praxis ist es leider meist umgekehrt.
Das fällt mir immer dann auf, wenn wir in den Strategieworkshops über den Kundennutzen eines Angebots nachdenken. Effizienzsteigerung ist meistens allen klar. Mache ich hingegen Überlegungen beliebt, wie wir künftig die Wirksamkeit des Kundenbusiness verbessern könnten, dann renne ich oft gegen eine Wand. «Wir helfen den Kunden gerne, ihre Wirtschaftlichkeit im Sinne eines besseren Kosten-Nutzen-Verhältnisses zu verbessern – die Wirksamkeit zu erhöhen ist aber ihre eigene Sache. Dazu können und wollen wir nichts beitragen», höre ich oft. Ist eigentlich auch verständlich.
Wollte man sich nämlich mit der Effektivität seiner Kunden auseinandersetzen und dafür Lösungen anbieten, dann müsste man auch für das Ergebnis die Verantwortung übernehmen. Gerade für IT-Unternehmen ist das oftmals keine Option. Diese Einstellung ist allerdings weder überlebensfähig, noch hilft sie, die bei den Kunden massiv steigende Komplexität in den Griff zu bekommen.
In diesem Sinne: Werdet wirkungsvoller!
Urs Prantl kreiert mit seinem Unternehmen KMU Mentor GmbH zukunftssichere und gesund wachsende IT-Unternehmen und begleitet ihre Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Unternehmensnachfolge und beim Firmenverkauf. Gleichzeitig ist er Host des Podcasts Prantls 5A, in welchem er die Einzigartigkeit erfolgreicher IT-Unternehmen direkt mit ihren Inhaberinnen und Inhabern diskutiert.
Der Beitrag erschien im topsoft Fachmagazin 25-4
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