Die Herausforderung bei der Skalierung von KI ist nicht die Technologie

03.02.2026
3 Min.

HTEC, ein globaler Entwickler kundenspezifischer Hardware- und Softwarelösungen, hat die globale Untersuchung „Executive Summary: A Cross‑Industry View of the State of AI in 2025“ veröffentlicht. Sie zeigt, wie Führungskräfte die nächste Phase der KI-Transformation gestalten – und warum die Skalierung und Wertschöpfung nach wie vor schwer zu erreichen sind.

 

Symbolbild Copilot

 

KI ist von einer Ambition zur Realität geworden. Jedes Unternehmen setzt sie ein. Für die meisten Unternehmen beginnt die eigentliche Herausforderung jedoch erst jetzt. Basierend auf den Erkenntnissen von mehr als 1500 Führungskräften weltweit, darunter auch aus Deutschland, liefert eine neue Studie von HTEC jetzt wichtige Ergebnisse zum Stand der KI-Nutzung.

KI ist überall – aber selten vollständig integriert

Die Daten zeigen einen klaren Wendepunkt. KI wird mittlerweile aktiv eingesetzt. Das bestätigen 100 % der Unternehmen. Aber eine flächendeckende Nutzung ist nach wie vor die Ausnahme, nicht die Regel. So erklären nur 44 % der deutschen Führungskräfte, dass KI vollständig in mehrere Funktionen oder Produkte integriert ist. Die Mehrheit berichtet von fragmentierten Implementierungen, das heisst, KI wird eher in einzelnen Bereichen, Pilotprojekten oder isolierten Initiativen eingesetzt als in einem koordinierten Betriebsmodell.

Für HTEC zeigt dies, dass die Herausforderung nicht mehr darin besteht, die Funktionsfähigkeit von KI zu beweisen. Es geht vielmehr darum, vielversprechende Anwendungsfälle in integrierten Systemen und Arbeitsabläufen umzusetzen, die einen messbaren, wiederholbaren ROI liefern.

Wo die Dynamik der KI ins Stocken gerät

Die Führungskräfte sind sich bemerkenswert einig darüber, warum sich die KI-Einführung verlangsamt. Die erste Schwierigkeit betrifft nicht die Modell-Performance, sondern die Integration. Das am häufigsten genannte Hindernis in Deutschland ist die Einbindung von KI in bestehende Prozesse und Legacy-Systeme (46 %). Hier kommen Initiativen zum Stillstand, die Zuständigkeiten wechseln und der Wert schwindet. Zudem ist es durch interne Kompetenzlücken unrealistisch, Lösungen vollständig intern zu realisieren. Da KI immer tiefer in die Kerngeschäfte vordringt, erkennen Führungskräfte, dass der Mangel an wichtigen technischen Fähigkeiten zu Engpässen bei der Umsetzung führt, die sich mit der Zeit verschärfen.

Generell führen unklare Prioritäten und ROI-Betrachtungen zu einer Änderung der Umsetzungsstrategie. Angesichts begrenzter interner Kapazitäten und KI-Kenntnisse, um mehrere Initiativen parallel zu bewerten und zu skalieren, planen Führungskräfte zunehmend, sich auf spezialisierte Partner und Plattformen von Drittanbietern zu verlassen. Damit sollen die Bereitstellung beschleunigt, Risiken reduziert und interne Teams an den Stellen eingesetzt werden, an denen sie den grössten Mehrwert schaffen.

Die Botschaft ist branchenübergreifend einheitlich: Der Erfolg von KI wird heute durch die Bereitschaft des Unternehmens und nicht durch das algorithmische Potenzial begrenzt.

Edge-KI entwickelt sich vom Experiment zum unverzichtbaren Bestandteil

Die Studie zeigt auch eine entscheidende Veränderung in der Sichtweise von Führungskräften auf Edge- und Embedded-KI. So wird Edge-KI nicht mehr als optional oder experimentell eingestuft. 86 % der Befragten in Deutschland geben an, dass sie mit Edge-Funktionen bestens vertraut sind. Sie heben dabei die Vorteile des Einsatzes von KI näher am Ort der Datengenerierung und Entscheidungsfindung hervor – insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung der Sicherheit, Stabilität und regulatorischen Kontrolle. Ausserdem wird die Performance in Umgebungen mit Ressourcenengpässen genannt.

Zugleich sind Führungskräfte pragmatisch, was die Skalierung angeht. Die meisten planen einen hybriden Ansatz, also eine Kombination aus spezialisierten Partnern, Plattformen von Drittanbietern und selektiver interner Entwicklung. Das Ziel ist Geschwindigkeit ohne Einbussen bei der Kontrolle – und langfristige Eigentümerschaft ohne Verzögerungen bei der Umsetzung.

Die Kosten der Untätigkeit werden in Jahren gemessen

Die Befragten sind sich der Herausforderungen bewusst. Sie schätzen, dass ein Versäumnis, Chancen im Bereich KI und Edge zu nutzen, ihre Unternehmen um fast zwei Jahre zurückwerfen könnte. Als Reaktion darauf setzen sich die meisten ein- bis dreijährige Ziele, um Anwendungsfälle zu validieren, Unternehmens-Roadmaps umzusetzen, ihre Belegschaft weiterzubilden und neue KI-gestützte Umsatzquellen zu erschliessen.

Trotzdem bleibt das Vertrauen fragil. Insgesamt nur 25 % der Führungskräfte meinen, dass ihr Unternehmen KI schnell einführen und skalieren kann. Weitere 22 % erwarten eine selektive Einführung mit langsamerer Skalierung. 31 % geben an, dass sie zwar experimentieren können, aber Schwierigkeiten haben, einen Mehrwert zu erzielen. Nicht zuletzt bestätigen 22 %, dass sie bereits ins Hintertreffen geraten sind.

Insgesamt deuten die Ergebnisse auf eine ernüchternde Realität hin: Drei Viertel der Unternehmen laufen Gefahr, keine Vorteile aus der Dynamik der KI zu ziehen, wenn sie strukturelle, operative und führungsbezogene Hindernisse nicht beseitigen.

In der nächsten Phase der KI darf es nicht mehr um weitere Pilotprojekte gehen. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, mutige Ziele zu definieren, End-to-End-Prozesse neu zu gestalten und KI durch modulare, unternehmensweite Roadmaps zu skalieren. Erfolgreich werden diejenigen Unternehmen sein, die KI als zentrales Betriebsmodell betrachten – und nicht als eine Ansammlung von Projekten.

 

Über die Untersuchung

Die Untersuchung „Executive Summary: A Cross-Industry View of the State of AI in 2025“ wurde von HTEC in Auftrag gegeben und von Censuswide durchgeführt. Sie enthält die Erkenntnisse von 1529 Führungskräften aus Deutschland, UK, Spanien, den USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, darunter CEOs, CIOs, CTOs, CDOs, CFOs, COOs, CPOs und CSOs aus verschiedenen Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Automobilindustrie, Telekommunikation, Einzelhandel und Halbleiterindustrie.

Die Untersuchung ist zum Download verfügbar.

 

Der Autor

Lawrence Whittle ist Chief Strategy Officer bei HTEC (Quelle: HTEC)

 

Über HTEC

HTEC unterstützt Unternehmen weltweit mit Design- und Engineering-Services bei der Entwicklung von technisch anspruchsvollen Hardware- und Software-Lösungen. Dabei sind die Entwickler und Ingenieure von HTEC fest in die Teams der Unternehmen integriert und liefern Ende-zu-Ende-Services.