Decken sich die Bedürfnisse Schweizer KMU in Sachen IT mit den Plänen der IT-Anbieter für das Jahr 2026? Und was meinen ausgewiesene Fachpersonen zu den Trends? Der topsoft Trendkompass 2026 geht diesen Fragen auf den Grund. Hier lesen Sie die Antworten des ERP-Experten Cris Wouters.

Cris Wouters ist Managing Partner sowie Bereichsleiter Bestandeskunden bei Opacc
Welche IT-Entwicklungen prägen 2026 den Erfolg von KMU?
Abhängig vom Geschäftsmodell und der Branche wird der Grad der Automatisierung, der durch KI unterstützt wird, den Erfolg beeinflussen. Es gibt aber auch Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell überdenken und den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. Eine zentrale Rolle spielen hier die grossen Technologie-Anbieter, die mit ihren einfachen und intelligenten Anwendungen als Plattformanbieter auftreten.
Welche IT-Themen und Innovationen stehen 2026 bei Ihnen im Fokus?
Wir werden unsere Plattform mit Features ergänzen, welche die Automatisierung einfacher ermöglichen. Dazu gehört auch die Unterstützung durch KI. Dabei wird der Fokus vermehrt auf Prozessen über die Unternehmensgrenzen hinweg liegen.
Daneben bleiben der sichere und performante Betrieb, unabhängig von der Betriebsform und, bei sich laufend verändernden Rahmenbedingungen ein zentraler Punkt.
Welche KI-Fragen bewegen Ihre Kunden im Jahr 2026?
Nach den ersten mehr oder weniger erfolgreichen Gehversuchen mit KI-Anwendungen aus dem Internet stellen sich bei den Kunden Fragen nach dem effektiven Nutzen und der Sicherheit. Neben den immer besser werdenden Helferchen in den “Office-Anwendungen” beschäftigen sich unsere Kunden vermehrt damit, wie sie KI in der Unternehmenssoftware zur Effizienzgewinnung und Qualitätssteigerung nutzen können.
Digitalisierung, Transformation, Automatisierung: Was hat sich seit 2025 verändert – und wo stehen KMU heute?
Durch KI und den breit verfügbaren Tools wie ChatGPT und Midjourney ist das Thema Automatisierung wieder vermehrt in den Fokus der Unternehmensleitung gerückt. Mit den Möglichkeiten, die diese Tools aufzeigen, kann man schnell erste Erfolge erreichen. Diese führen dazu, dass auf der obersten Unternehmensebene der Glaube an die schnelle Automatisierung und die damit notwendige Digitalisierung steigt, und schlussendlich die dafür notwendigen Mittel bereitgestellt werden.
Viele dieser Projekte wurden als KI-Projekte gestartet und entpuppen sich als eigentliche Automatisierungsprojekte. Viele KMU sind aktuell in der Umsetzung und müssen dabei aber oft bemerken, dass die Datengrundlagen noch nicht vorhanden sind und es sich schliesslich um komplexe IT-Projekte handelt.
Hilfreich ist, dass die Software-Anbieter beginnen, sinnvolle KI-Funktionen direkt in ihre Produkte zu integrieren, die einen nur in den Verkaufsprospekten, andere auch wesentlich fundierter als Bestandteil ihrer Plattform. Für KMUs häufig der einzig praktikable Weg,
Was sollten KMU 2026 nicht tun, wenn sie digital erfolgreich sein wollen?
Als KMU sollte man nicht zuerst die natürliche Intelligenz abbauen und versuchen, direkt mit Künstlicher Intelligenz zu ersetzen. Grundlage für den Erfolg werden auch 2026 noch Digitalisierung und Automatisierung sein. Dazu sind auch zukünftig, wie bereits in der Vergangenheit, umfassende und qualitativ hochstehende Daten notwendig. Erst so lässt sich KI nutzenstiftend in der Unternehmenslandschaft einsetzen und bleibt nicht nur eine Inselanwendung ohne messbaren Nutzen.
Man sollte sich nicht von der Hektik und von den Stimmen der Technologiegiganten allzu stark treiben lassen und möglichst schnell möglichst viele Tools einführen. Es ist viel sinnvoller, sich damit zu befassen, was die Technologien für das eigene Geschäftsmodell bedeuten, ist es sogar disruptiv und mit welchem Partner man das nachhaltig in der Unternehmenssoftware unterstützen kann.
Welcher einzelne Trend oder welche Entwicklung wird 2026 Ihrer Meinung nach am meisten überschätzt – und welcher wird unterschätzt?
Mit KI und Vibe Coding wird wieder eine bereits mehrfach erhoffte Strategie, Software ohne Softwareingenieure zu entwickeln, befeuert. Dass durch KI assistierte Entwicklung die Produktivität von Entwicklern langfristig verbessern kann, ist zu erwarten. Dass generierter Code langfristig schlechter wartbar ist und die unnötige grosse Menge an generierten Code dabei nicht hilfreich ist, wird uns dann in Zukunft beschäftigen.
Im Gegensatz dazu wird der mittelfristige Impact auf einzelne Geschäftsmodelle, wie das Shopping im Internet, das Organisieren von Reisen und Anlässen, sowie das Recherchieren deutlich unterschätzt. Man könnte auch sagen, dass die Art, wie wir zukünftig mit Systemen interagieren, sich grundlegend ändern wird und einzelne Berufsbilder und Unternehmen verschwinden werden..
Carte Blanche
Einmal mehr wollen uns die grossen Technologieanbieter in ihre Cloud-Angebote und auf ihre Plattformen zwingen, mit oft fadenscheinigen und technisch nicht nachvollziehbaren Gründen. Aber gerade die im Umfeld der Cloud Native Foundation zur Verfügung stehenden Technologien würden es den europäischen Anbietern relativ einfach ermöglichen, ihren Kunden massgeschneiderte europäische oder schweizerische Angebote zur Verfügung zu stellen. Und das langfristig oft kostengünstiger und ohne Sorgen über die Datensicherheit